Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 46
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offenbar seröse, Haut die Absonderung des huraor aqueus bedinge, somit die Quelle
desselben vorzüglich in der vorderen Augenkammer sey, wenn gleich den Theilen in
der hinteren Kammer nicht aller Antheil an der Secretion der Augenfeuchtigkeit ab-
gesprochen werden kann. So wie in früheren Zeiten, so sind heut zu Tage noch die
Ansichten der Physiologen über diesen Punkt getheilt. Bald suchte man die Quelle
der Secretion dieser Feuchtigkeit in eigenen Drüsenkörpern (Melius) , bald in besonderen
Kanälchen (Nuck, Rüysch , Santorini), bald in dem Glaskörper (St. Yves und Janin),
dessen Feuchtigkeit nach Ribes 10~) durch eigene von ihm beschriebene Kanälchen zwischen
dem PETiT'schen Kanal und Ciliar-Körper in die hintere Augenkammer geleitet werden
soll. Haller, Zinn und viele Andere leiteten den Ursprung derselben von beiden
Blendungsflächen und dem Ciliar-Körper. Demours, Descemet, Wrisberg , Wardrop und
mehrere Neuere erklärten die seröse Membran, welche nach ihnen nicht blos die vordere,
sondern, wie wir oben sahen, auch die hintere Augenkammer auskleiden sollte, für das
Organ der Secretion dieser Feuchtigkeit, und liefsen daher die Absonderung in beiden
Kammern geschehen. Diese Ansicht, dafs die seröse Haut in der vorderen Augenkammer
das Organ für die Secretion des humor aqueus sey, können wir um so weniger verwerfen,
als die Analogie mit anderen serösen Häuten sehr für dieselbe spricht, als zweitens bei
Verwachsung der Iris mit der Linsenkapsel die Menge dieser Feuchtigkeit nicht vermindert
wird, und drittens keine directe Beweise vorliegen, dafs die Absonderung zunächst und
hauptsächlich von den Gebilden der hinteren Augenkammer geschehe. Sehr viele Physio-
logen haben sich der Meinung zugewendet, dafs die Secretion in der hinteren Augenkammer
weit lebhafter von statten gehe als in der vorderen, und zur Stütze derselben mehrere
Punkte20) bemerklich gemacht, die aber meiner Ueberzeugung zufolge die Schlüsse
nicht zulassen, welche daraus gezogen wurden.

Die von Haller gemachte Beobachtung, dafs im Fötus-Auge bei noch verschlossener
Pupille die wässerige Feuchtigkeit in der hinteren Augenkammer in weit gröfserer
Quantität als in der vorderen angesammelt erscheine, kann nicht als geltend betrachtet
werden, weil die wässerige Feuchtigkeit beim Fötus zu gering ist, als dafs man über
das Mehr oder Weniger derselben in den beiden Kammern bestimmen könnte. Petit's21)
Angabe, dafs der humor aqueus bei einem reifen Kinde nie mehr als 11/2 Gr. betrage,
manchmal sogar keiner gefunden werde , fand ich bestätigt, und kann dazu noch die
Bemerkung fügen, dafs, wie bekannt, die Linse im Auge des Fötus die hintere Fläche
der Iris berührt und dieselbe mit der Pupillarmembran sogar in die vordere Kammer

19) Mbckel's Archiv B. IV. & 633 ff.

20) Rosas I, S. 243.

,21) Mem. de l'acad. des sc. Ann. 1727. f>. 247..
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