Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 47
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drängt. Zweitens darf die von Mery und Bonhomme erwähnte Thatsache, dafs bei
Pupillensperre Erwachsener die hintere Augenkammer oft vom hnmor aqueus strotzt,
während die vordere ihn nur sparsam enthält, eben so wenig als Beweis angesehen
werden, weil die Aufsaugung in letzterer weit lebhafter von statten geht, wie diefs
Scarpas Beobachtungen über die Resorption des Staars und die physiologischen Be-
ziehungen der Hornhaut zur wässerigen Feuchtigkeit mehr als wahrscheinlich machen;
Drittens beweisen die Einspritzungen mit Quecksilber, Leim, oder einer andern Masse,
bei denen dieselbe zunächst in die hintere Augenkammer abgesetzt wird, nur dafs die letztere
Organe besitzt, welche beträchtlichere und zahlreichere Blutgefäfse haben, als man in
der vorderen Kammer findet, nicht aber, dafs dieselben die wässerige Feuchtigkeit
secerniren.

Die wässerige Feuchtigkeit bildet sowohl in ihren physischen und chemischen als
physiologischen Verhältnissen einen wichtigen und bemerkenswerthen Gegensatz zum
schwarzen Pigment. Sie ist durchsichtig, farblos, dünn, besteht gröfstentheils aus
Wasser, einigen Salzen und einer sehr geringen Menge thierischer Substanzen. Das
Pigment dagegen zeichnet sich durch eine schwarze oder schwarzbraune Farbe aus,
ist specifisch schwerer als Wasser, besteht aus einer eigenthümlichen schleimigen und
gefärbten Substanz, und enthält unter allen Theilen des Körpers die gröfste Menge
Kohlenstoff und etwas Eisen. Wenn die wässerige Feuchtigkeit bestimmt ist, dem Auge
Durchsichtigkeit und Klarheit zu geben, und die Lichtstrahlen, die durch die Cornea
dringen, frei in das Innere des Auges zu leiten; so hat das schwarze Pigment den
Zweck, das Auge zu verdunkeln und das Licht zu resorbiren. Diesen Gegensatz er-
kennen wir in der vorderen und hintern Fläche der Iris wieder. Jene ist mehr oder
weniger hell von der wässerigen Feuchtigkeit bespült, diese aber dunkel und mit Pig-
ment überzogen, gleich wie der Ciliar-Körper mit seinen Fortsätzen. In der hinteren
Augeukammer geschieht also eine reiche Secretion des schwarzen Schleims, in der
vorderen dagegen ist die Hauptstätte für die Absonderung der wässerigen Feuchtigkeit.
Wenn man auch den Gebilden der hinteren Kammer nicht allen Antheil an diesem
Procefs absprechen will, so mufs man doch in der vorderen die Hauptquelle des
humor aqueus suchen, sowohl weil nur hier eine seröse Membran existirt, durch
welche die wässerige Absonderung vermittelt werden kann, als anch weil in der hinteren
Kammer schon eine Secretion, nämlich die des schwarzen Pigments statt hat. Warum
sollen Gebilde, welche eine so eigenthümliche Absonderung zu Stande bringen,
noch eine andere übernehmen, die Theile der vorderen Kammer dagegen, welche alle
Requisite zu einer serösen Secretion haben, nicht vorzugsweise solche vermitteln?
Ich für meinen Theil hege die Ueberzeugung, dafs, so wie an der hinteren Fläche der
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