Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 53
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und nothwendigen Zusammenhang mit einander stehen? Was soll durch diese Spaltung
bezweckt und genützt werden? — Nicht im Mindesten sind wir in unserer Kenntnifs der
Natur, des Wesens der Chorioidea gefördert. Im Gegentheil, wir trennen ein Gebilde
künstlich in mehrere Theile, heben dadurch seine Einheit, seine Totalität auf, welche
es bei der feinsten Nachsuchung erkennen läfst, und legen uns so ein grofses Hinder-
riifs in den Weg, durch das wir in unserer Erkenntnifs der Physiologie dieses höchst
wichtigen Gebildes des Sehorgans gestört sind. Es ist zur richtigen und naturgemäfsen
Auffassung des Vorgangs in der Gefäfshaut durchaus nothwendig, dafs wir dieselbe als
ein Ganzes ansehen und die einzelnen Netze in ihrem innigen Zusammenhang und gegen-
seitigen Uebergang nicht aufser Auge lassen.

Ueber das feinste Gefäfsnetz der Aderhaut hat uns vor Allen S. Th. v. Sömmeiuuxg s)
herrliche Beobachtungen und schöne Darstellungen hinterlassen. Er hat gezeigt, dafs
erstens die Blutgefässe der Chorioidea nicht mit der Kleinheit des Augapfels sich ver-
kleinern oder verfeinern, sondern dafs die Aderhaut eines kleinern Augapfels sich gewisser-
mafsen nur als ein Stück oder nur als ein Theil der Aderhaut eines gröfseren Augapfels
betrachten lasse; zweitens dafs die Gestaltung der Netze in der Aderhaut bei jeder Thier-
gattung, bei jedem Geschlecht und in den verschiedenen Klassen eine besondere und
charakteristische ist, und so auch die Chorioidea des menschlichen Auges ihren eigene^
ganz beständigen unwandelbaren Typus hat; drittens dafs die kurzen Ciliararterien
sich in der Aderhaut baumartig in Aeste und Zweige theilen, sich bald als fast gleich
dicke, plattcylindrische Zweige endigen, welche theils häufig unter einander münden,
theils unmittelbar in gleichbeschaffene venöse Reiser übergehen, und dadurch ein so
dichtes Netz bilden, dafs dessen Maschen, schlangenförmig verschlungen, fast keine
Zwischenräume für noch feinere Reiser übrig lassen.

Die Chorioidea ist demnach eine an Blutgefäfsen sehr reiche Membran, in welcher
man aufser diesen nur ein feines, die Grundlage bildendes Zellgewebe wahrnimmt, sonst
aber keine besondere aushauchende oder absondernde Gefäfse erkennt, die Sömmeiiiung
nicht ohne Grund in Zweifel zieht, und von denen er sehr richtig bemerkt, „dafs sie
entweder als zu fein oder als zu besonders beschaffen gedacht werden müfsten, um
kein Blut mehr, sondern lediglich nur ganz besondere Theilchen des Bluts aufzufassen
und abzusetzen." 9)

Die Bestandteile der Chorioidea, Zellgewebe und Gefäfse, trennen sich an dem
vorderen Ende, da wo sie sich mit der Iris verbindet, in gewissem Grade von einander,

8) Ucucr das feinste Gefäfsnetz der Aderhaut im Augapfel. S. 9. ff.

9) A. a. O. S. 16.
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