Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 56
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Der Strahlenkörper richtet sich in seinen Formverhältnissen ganz nach der äufseren.
Gestalt des Strahlenblättchens, mit dem er sehr fest und innig verbunden ist. An ganz
frischen Augen können beide nicht von einander getrennt werden , ohne dafs das eine oder
andere Gebilde Schaden leidet. So wie nun der Anfang des Strahlenblättchens da,
wo es aus dem Glaskörper entsteht, durch einen schwach ausgezackten Rand im Auge
des Menschen genau bezeichnet ist, so kann man auch die Glänze des äufseren Theils des
Ciliar-Körpers oder dessen Anfang angeben, weil bei dem genauen Zusaramnnhaug beider
die Form der Zonula Zinnii sich an der Chorioidea abdrückt. Untersucht man daher das
corpus ciliare an nicht ganz frischen Augen, so sieht man den Anfang desselben, weil
beim Trennen der genannten Gebilde sich das Pigment zum Theil losgelöst hat, mit einem
ausgezackten Rand, ora serrata genannt, der aber zunächst nicht dem Strahlenkörper eigen
ist, sondern blos dem Strahlenblättchen, das seine Form an jenem abdrückt.

Der ungefaltete Theil des Strahlenkörpers zeigt in seiner Gestalt weiter nichts Beson-
deres, er ist aufsen und vorn gröfstentheils von dem Ciliar-Band bedeckt, nach hinten
aber liegt er fest auf dem äufseren Theil der Zonula auf. Die pars fimbriata corporis
ciliaris dagegen ist ganz besonders geformt, und bietet nicht allein in ihrem äufseren,
sondern auch im inneren Verhalten manches Bemerkenswerthe und Eigenthümliche. Zinn
hat eine genaue Beschreibung von der äufseren Gestalt dieses Theils gegeben; es wäre
daher überflüssig, sich hier auf dieselbe einzulassen. Nur über die Verbindung der
Strahlenfortsätze mit benachbarten Theilen wollen wir hier einige Bemerkungen mittheilen,
da man hierüber noch verschiedene Ansichten hegt.

Die Ciliar - Fortsätze stehen in einem besonders genauen Zusammenhang mit dem
innern Theil des Strahlenblättchens; sie greifen mit Vorsprüngen und Vertiefungen gegen-
seitig in einander ein und sind in frischen Augen so eng mit einander verbunden, dafs die
Trennung beider nicht geschehen kann, ohne das eine oder andere Gebilde zu beeinträch-
tigen. Die Verbindung scheint nicht durch Gefäfse zu geschehen, da man in Augen, die
einige Tage alt sind, beide Theile sehr leicht von einander trennen kann, ohne dafs mau
irgend ein feines Fädchen oder eine Faser, die den Anschein eines Gefäfses hätte,
bemerkt. Vielleicht geschieht die Verbindung durch den schwarzen Schleim, da dieser in
frischen Augen immer ziemlich fest auf dem Strahlenkörper aufsitzt und auch viel von
ihm an der Zonula hängen bleibt, so dafs er von dieser nnr durch Maceration entfernt
werden kann. — Dadurch also, dafs die Fortsätze des Ciliar-Körpers in Vertiefungen
des Strahlenblättchens eingreifen und Vorsprünge von diesem in die Zwischenräume jener
eingehen, wird der genaue Zusammenhang beider Gebilde zu Stande gebracht; da nun
ferner die Zonula Zinnii sich nach vorn vom gröfsten Umfang der Linsenkapsel nicht
blos fest ansetzt, sondern auch, indem sie deren vordere Fläche überzieht, mit ihr
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