Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 58
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ciliaris beschrieben, hat übrigens schon Ev. Home17) beobachtet und dargestellt; nur hält
dieser sie für Muskelbündel, undläfst sie von der Glashaut (dem Strahlenblättchen) entstehen.

Seitdem Keppler die Ansicht aussprach, dafs durch den Strahlenkörper Verände-
rungen im Innern des Auges bewirkt würden, haben unter den Alten, besonders Boerhaave,
Platner, Lobe, Heuermann, Santojuni, Morgarni, Porterfield, und unter den Neuern
vor allen Robert Knox zu beweisen gesucht, dafs in dem Ciliar-Körper Muskelfasern
vorhanden seyen, gleich wie in der Iris. Einige, wie Porterfield 18) und Knox 19) gingen
selbst so weit, dieses Gebilde des Auges als musculus ciliaris zu bezeichnen und anzufüh-
ren. Die Gründe für diese Behauptung sind etwa folgende: 1) Wenn man den Strahlen-
körper durch das Mikroskop untersucht, so hat er dasselbe Aussehen, wie die Iris und
zeigt dieselbe Anordnung der Theilchen. Da nun die Iris anerkannt muskulös ist, oder
wenigstens die Kraft zu beträchtlicher Bewegung besitzt, so mufs diefs auch von dem
Strahlenkörper gelten. 2) Bei den meisten Vögeln und sehr vielen Säugethieren, wie
bei Affen und Hunden, gehen zahlreiche Nerven zu dem musculus ciliaris und vertheilen
sich in seine Substanz. Sie stehen rücksichtlich ihrer Menge mit den Kräften des Auges
in Proportion.

Gegen diese Meinung haben sich unter den älteren Zergliederern einige erhoben,
besonders aber hat der genaue nnd sorgfältige Zinn 20) durch mikroskopische Unter-
suchungen und Injectionen gezeigt, dafs der Bau des Strahlenkörpers rein vasculöser
Natur ist, und keine Muskelfasern in ihm bei gründlicher Prüfung gefunden werden
können. Seitdem sind auch nur Wenige von dieser Meinung abgegangen, ja die Mei-
sten haben an der Richtigkeit derselben so wenig gezweifelt, dafs sie die Behauptung
jeuer nicht einmal berührten. Bei meinen oft wiederholten Untersuchungen der Ciliar-
Fortsätze unter dem Mikroskop sah ich nie etwas den Muskelfasern Aehnliches, ob-
gleich sich doch sonst Muskelnbern, wenn sie auch noch so blafs sind, leicht unter
dem Mikroskop als solche erkennen lassen. Nicht eingespritzt stellten sie sich hier als
aus Zellgewebe gebildete Fortsätze dar, die bei glücklicher Injection auch nichts als
Blutgefäfse erkennen liefsen. Eben so wenig war ich im Stande, bei dieser und andern
Untersuchungs-Methoden Nervenfasern in diesem Gebilde wahrzunehmen. Mehrere
Zergliederer, und neuerdings noch Knox21), Müller 22), Hueck 23), Weber24) haben

17) Philosophical transactions. 1823. p. 77. tab. VII. Fig. 5. u. 6.
• 18) On the eye. Vol. II. p. 45.

19) FnoniEP's Notizen. Bd. 7.

20) A. a. O. p. 61.

21) A. a. O.

22) Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinnes. S. 31?.

23) Do mntationihus oculi internis. p. 36.
?4) A. a. 0. S. 39!).
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