Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 59
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Nervenfaden von den Ciliar-Nerveh beim Menschen theils angenommen, weil sie und
Andere dieselben bei Vögeln und auch bei Säugethieren sahen, theils versichern sie
dieselben beim Menschen selbst in den • Ciliar-Körper verfolgt zu haben.

Ich mufs offen gestehen, dafs es mir auch nie glückte, von den Ciliär-Nerven
einen Faden in das corpus ciliare zu verfolgen oder eintreten zu sehen, so viel Mühe
und Zeit ich auch darauf verwendete; es war mir diefs um so auffallender, als Weber25)
sagt: „Es ist mir nicht besonders schwer, die Ciliar-Nerven in die Tiefe, das heifst
zu den Fortsätzen des corpus ciliare zu verfolgen. Jeder der vorsichtig präparirt, kann
sich davon selbst überzeugen." So lange ich diese Nerven an Präparaten nicht sehe,
oder es mir nicht glückt, sie selbst darzustellen, werde ich an der Existenz derselben
zweifeln und annehmen, dafs der Ciliar-Körper, gleich wie die Chorioidea keine Ner-
ven, wenigstens keine von den Ciliar-Nerven erthält. Zinn 26) spricht, auf genaue Un-
tersuchungen und mikroskopische Beobachtungen sich stützend, dieselbe Ueberzeugung
aus, ob er gleich anfänglich die Vermuthung äufserte, dafs der Strahlenkörper Nerven
besitze. Ueber das Verhalten der Gefäfse in dem Strahlenkörper sind die Unter-
suchungen von Zinn und Sömmeiuung sehr genau und vorzüglich. Meine Beobachtungen
stimmen mit diesen überein und haben mich überzeugt, dafs Mascagni's 27) und
Ev. Home's 2S) Darstellungen als durchaus falsch angesehen werden müssen. Die Blut-
gefäfse, welche, wie wir sahen, in der Chorioidea ein sehr enges und dichtes Netz
von besonderer Art bilden, nehmen da, wo der Strahlenkörper beginnt, einen ganz
anderen Charakter an. In dem nicht gefalteten Theil des corpus ciliare laufen sie
gerade, parallel und dicht neben einander gelegen , gehen nur hie und da in einander
über und bilden keine Netze; gegen die Ciliar-Fortsätze hin aber theüen sie sich wieder
mehrfach, fliefsen öfters in einander über und bilden in diesen beträchtliche Büschel.
Meistens über 12 Gefäfsstämmchen treten in einen einzelnen Fortsatz ein, machen hier,
verschiedenartig und vielfach gewunden, Beugungen, so dafs sie sich immer wieder
gegen die Stämmchen umbiegen und in andere von ähnlicher Beschaffenheit überfliefsen,
und ein solches Verhalten zeigen sie bis zu den Spitzen der Ciliar-Fortsätze. Die An-
ordnung der Gefäfse in diesen Theilen hat einige Aehnlichkeit mit der in den Falten
und Zotten der Schleimhaut des Darmkanals. Es leidet also keinen Zweifel, dafs diese
Gefäfs-Büschel und überhaupt das ganze Gefäfssystem in dem Strahlenkörper aus dem
der Chorioidea zunächst hervorgeht, und so zu sagen die unmittelbare Fortsetzung

25) A. ii. O.

26) Do vasis Bulitilinribus oculi p. 18. U. 19.

27) I'rodromo tab. XIV. Fig. 44.

28) A. a. 0. tal). VII. Fig. 7. u. 8.
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