Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 60
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desselben ist, wenn es gleich einen andern Charakter hier als dort hat, dafs man dem-
nach den Strahlenkörper als einen Theil der Chorioidea, als eine unmittelbare Fortsetzung
derselben betrachten mufs. Janin 29) und Salomon 30) haben sich hiergegen sehr mit
Unrecht erklärt, und wie aus dem Gesagten hervorgeht, irrigerweise angenommen , die
Ciliar-Fortsätze seyen ein eigenthiimliches, von der Chorioidea gesondertes Gebilde.

Die innere Fläche der Aderhaut, der ganze Strahlenkörper und die hintere Fläche
der Iris sind mit einer bräunlich - schwarzen Substanz, dem schwarzen Schleim (pig-
meutum nigrum) überzogen, welcher besonders an dem corpus ciliare und der Iris in
beträchtlicherer Menge vorhanden ist, als an dem hintern Theil der Chorioidea. An
der äufsern Fläche dieser Membran findet er sich nicht durchweg, sondern nur in den
Augen, die reich an schwarzem Schleim sind. Hier dringt derselbe, in nicht unbedeu-
tender Menge angesammelt, durch die Aderhaut, schlägt sich an der äufseren Fläche
nieder und färbt dadurch sowohl diese als auch die innere Fläche der Sclerotica. In
den Augen von manchen Subjekten,. namentlich solcher, die eine hellgefärbte Iris
haben; so wie im Durchschnitt bei alten Leuten, fand ich die einander entsprechenden
Flächen der genannten Häute nicht gefärbt, sondern hell, glatt und glänzend. Dadurch,
dafs das Pigment häufig auch an der äufsern Fläche der Aderhaut vorgefunden wird,
sahen sich manche zur Annahme bestimmt, dafs auch diese den schwarzen Schleim
absondere.

Wie mir scheint, ist diese Ansicht nicht haltbar, weil jene Fläche mit einer serö^
sen, eine wässerige Feuchtigkeit secernirenden Membran bekleidet ist, und weit natur-
gemäfser die Meinung befunden werden mufs, dafs das schwarze Pigment bei sehr reich-
licher Secretion die Aderhaut durchdringt und sich so auch auf deren nach aufsen ge-
wandten Seite ablagert.

Das Pigment ist in frischen Augen ziemlich fest an. die Chorioidea geheftet, läfst
sich aber nach einer kurzen Maceration leicht in Wasser abspülen und trennt sich
dann oft als eine zusammenhängende Membran von den respectiven Theilen los. Dieser
Umstand hat Manche zur Behauptung veranlafst, der schwarze Schleim sey keine ab-
gesonderte flüssige, sondern eine eigen geformte, feste Substanz und bilde eine beson-
dere Membran des Auges. Die Gründe, welche man, aufser dem obigen Umstand, für
diese Meinung anführt, sind etwa folgende: 1) Jedes Secretum ist ohne Leben , daher der
Auflösung frei gegeben; und so würde auch der schwarze Schleim als Secfetionsprodukt
im Auge bald, zersetzt und aufgelöst werden. 2) Aller abgesonderte Schleim im Körper

29) A. a. O. §. 17. pi 9. ff.

30) GRiEFE's und Waltheb's Journal. Bd. VII, IT. 3. S. 45T.
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