Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 61
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wird durch besondere Bälge und Drüsen secernirt, nie resorbirt, sondern immer aus-
geworfen, welches beides bei dem pigmentum nigrum nicht der Fall sey. So wie
der MALPiGHi'sche Schleim eine besondere Schichte der Haut bilde und kein Seere-
tum sey, so auch das Pigment eine aus Schleim und einem schwarzen Stoff zusam-
mengesetzte Membran, welche einmal entstanden durch die Gefäfse der Chorioidea
ernährt werde.

Eine abgesonderte Flüssigkeit können und dürfen wir uns nicht ohne Leben den-
ken, so lange sie noch mit dem lebenden Körper in Verbindung steht, ja manche
Secreta, und vor allem der Saamen, besitzen ihre Lebenskraft noch, wenn sie vom
Körper getrennt sind. Besonders aber ist es die stete Metamorphose, welche die Flüs-
sigkeiten erleiden, die fortwährende Aufsaugung und Absonderung, wodurch ihre Zer-
setzung verhindert und unmöglich gemacht wird. Eine solche ununterbrochene Ver-
änderung in den feinein Form- und Mischungsverhältnissen erfährt gewifs auch der
schwarze Schleim im Auge. Diefs zeigen schon die periodischen Verschiedenheiten und
gewisse krankhafte Veränderungen. Im Fötus ist das Pigment etwas röthlich, es wird erst
nach der Geburt vollkommen schwarz, und ist im Alter heller als in der Jugend. Abnorme
Zustände der Chorioidea bedingen und verursachen, wie bekannt, mehr oder weniger
beträchtliche Abweichungen des schwarzen Schleims in Farbe, Cönsistenz, Menge und
anderer Hinsicht; denn die naturgemäfse Secretion ist an den normalen Zustand der
Gefäfshaut gebunden und von ihr durchaus abhängig. Man kann nicht annehmen, dafs
sie von der Aderhaut blos ernährt oder in ihren Mischungsverhältnissen erhalten wird,
denn ihr erstes Entstehen hängt eben so von dem Zustand der Chorioidea ab, wie ihre
fernere Existenz. Gewisse Bestandtheile des Bluts, welches diese Membran führt, werden
an der innern Fläche derselben abgesetzt und- dadurch eine Ausbreitung von schleimi-
ger Substanz und einer färbenden Materie, Augenschwarz genannt, bewirkt. Der fär-
bende Stoff zeigt sich unter dem Mikroskop aus Kügelchen gebildet, welche dicht
neben und über einander liegen. Der schwarze Schleim besteht, in Rücksicht auf
seine chemische Zusammensetzung, vorzüglich aus Kohlenstoff, den er in sehr beträcht-
licher Menge enthält, ferner aus phosphorsaurem Kalk, Natron und etwas Eisen,
Demnach könnte man wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dafs das in der
Chorioidea circulirende Blut in der Art zersetzt wird, dafs es an der innern Fläche
seine färbende Materie, Kohlenstoff und etwas Eisen zurückläfst, während an der
äufsern Seite der seröse Theil desselben abgegeben wird.

Diese für das Sehen so nothwendige und wichtige Secretion geschieht von der
Aderhaut ohne besondere Drüsen oder andere eigens beschaffene Gebilde; sie wird ein-
zig, und allein durch die Gefäfse dieser Membrau, welche in so beträchtlicher Menge
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