Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 62
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Blut führen, vermittelt. Mehrere ältere Physiologen haben Schleimdrüschen, die sie
in der Aderhaut theils vermutheten, theils gefunden zu haben glaubten, angenommen
und dadurch die Absonderung des schwarzen Schleims zu erklären gesucht. Zinn hat
diese Ansicht gründlich und zur Genüge widerlegt, indem er nachwies, dafs es keine
besondere Gebilde in der Chorioidea gibt, sondern dafs diese eine reine Gefäfshaut
ist, was auch durch spätere Untersuchungen bestätigt wurde. Die Adern dieser Mem-
bran geben demnach die erforderlichen Bestandtheile des Bluts, das sie in so reicher
Menge führen, nach innen und aufsen, in entgegengesetzten Verhältnissen von sich, und
diese Saftabsonderung kann nur durch die Poren der Häute dieser Blutgefäfse erfolgen.
Mau hat vermuthet, dafs dieselbe durch feine Zotten, wie etwa im Darmkanal ge-
schehe. Zinn und Andere sprechen von solchen an der innern Fläche der Aderhaut,
und ich habe einigemal an nicht injicirten Augen solche gesehen. Würden sich mir
dieselben auch an eingespritzten Gefäfshäuten gezeigt haben, so stünde ich nicht an
dieser Behauptung beizupflichten, und anzunehmen, dafs wenigstens zum Theil durch sie die
Secretion geschehe; so aber glaube ich mit Sömmemung, welcher wahrscheinlich auch
keine Zotten beobachtet hat, da er deren nicht erwähnt, dafs die Secretion auf die
oben angegebene Weise vor sich geht.

Gegen die Ansicht, dafs das Pigment eine häutige Structur besitze und aus Zell-
gewebe bestünde, welches den FärbestofF eingeschlossen enthielte, können wir einige
Gründe bemerklich machen. Erstens nämlich bietet der schwarze Schleim, mikrosko-
pisch untersucht, keinen Anschein der Structur, die wir im Zellgewebe wahrnehmen,
dar. Man sieht hier keine Blutgefäfse, welche auch die feinste und glücklichste In-
jeetion nicht nachweisen kann, eben so wenig nimmt man Saugadern wahr, die sich
im Zellgewebe so leicht erkennen lassen; sondern das Ganze hat das Aussehen einer
aus Schleim bestehenden Schichte, in welcher zahlreiche schwarze Körnchen ausge-
breitet sind. Legt man das Pigment aus einem frischen Auge unter das Mikroskop, so
läfst sich die schleimige Beschaffenheit des wesentlichen Bestandtheils schwer beobach-
ten, weil der schwarze FärbestofF eine zusammenhängende Schichte bildet; leicht aber
kann man sich von der Natur des Pigments unterrichten, wenn man ein einige Tage
altes Auge hierzu benützt. Zweitens hat der schwarze Schleim sehr grofse Aehnlich-
keit in allen seinen Verhältnissen mit dem MALpiGm'schen Schleim. Diesen Grund,
welchen Jene als einen Beweis für ihre Ansicht angeführt haben, müssen wir für unsere
Meinung in Anspruch nehmen, oder richtiger, es handelt sich hier um die Entschei-
dung der Frage: sind schwarzes Pigment und MAL,piGHi'scher Schleim, die einander
vollkommen entsprechen, besondere häutige und netzartige Gebilde, oder nur Schichten
von Schleim mit einer gröfsern oder geringeren Menge färbender Materie durchzogen ?
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