Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 63
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Vor Malpighi haben die Anatomen die Schleimschichte der Haut als die innerste Lage
der Oberhaut und nicht als eine von der Oberhaut verschiedene Decke der Haut ange-
sehen; nach ihm aber lehrten wohl die meisten Zergliederer, dafs sich dieselbe als eine
besondere Haut über die ganze Lederhaut erstrecke. Schon Albin legte auf diese Unter-
scheidung kein grofses Gewicht, und Andere, wie Winslow, Scarpa, Bichat, Rudolphi,
Chaüssier," Seiler, Gordon , E. H, Weber 3') haben sich dahin erklärt, dafs das sogenannte
MAPiGHi'sche Netz nicht als eine von der Oberhaut verschiedene Haut betrachtet werden dürfe,
sondern als die innerste noch nicht erhärtete Lage der Oberhaut anzusehen sey, welche mit
der Lederhaut in unmittelbarer Berührung ist, und aus dem zuletzt von dieser abge-
sonderten noch weichen Hornstoffe bestehe, der sich durch Einweichen der Haut in
Wasser erweiche und auflöse. Diese Meinung gewinnt nun auch um so mehr für sich,
als das sogenannte MALpiGHi'sche Netz keine Gefäfse und keine besondere Structur
zeigt, allmählig in die Epidermis übergeht, zu dieser sich unter gewissen Verhält-
nissen leicht umgestaltet und endlich bei dem Neger nicht der einzige Sitz der schwar-
zen Hautfarbe ist, da die äufsere Lage der Oberhaut auch etwas gefärbt sich zeigt. —
Eben so wie diese innere Lage der Epidermis müssen wir auch das schwarze Pigment,
ein Secretum der Chorioidea, als eine die innere Fläche -dieser bedeckenden Schichte
betrachten, welche aus Schleim und schwarzem Farbstoff besteht, und für das Auge
die höchst wichtige Function hat, die ins Innere gelangten Lichtstrahlen zu resorbiren.

Die wesentlichen Bestandtheile dieser Materie im Auge zeigen,' wie Gmelijy 32)
angibt, gegen einander das bemerkenswerthe Verhalten, dafs sie sich im Wasser von
einander trennen, denn der Schleim wird von dem färbenden Stoff hiedurch am leich-
testen und einfachsten geschieden. Diesen Umstand hätten Jacob und so viele Anato-
men nach ihm beachten sollen, und sie würden sich leicht überzeugt haben, dafs die
Membran, welche sie als eine besondere, als eine seröse Haut im Auge beschrieben
und dargestellt, nichts anderes als ein Niederschlag des Pigments ist, welcher entweder
dadurch, dafs man das Auge mehrere Stunden in Wasser legt, oder durch die Feuchtig-
keiten des Auges selbst, welche nach dem Tode auf das Pigment einwirken, erzeugt
wird. Meiner Ueberzeugung gemäfs trete ich Rudolphi, Seiler, Rosas und Andern
bei, welche die sogenannte JACoß'sche Haut für einen Niederschlag des Pigments
halten.

Jacob 33) beschreibt die nach ihm benannte Haut als eine sehr zarte, dünne, mit

31) Himebrandt's Anatomie des Menschen. Bd. I; S. 186. II'.

32) Indagatio chemica pigmenti nigri. p. 16. «• 18.

33) Philosophien! transactions. 1819. p. 300. und Mcdico-chirurgical tiansactions. London. 1823. p. 599.
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