Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 64
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der Markhaut durch Gefafse und Nerven verbundene, zwischen ihr und der Chorioideä
liegende Membran , die mit blosen Augen kaum zu erkennen , in Neugebornen schwer
darstellbar, iii der Jugend durchsichtig und kaum durch das Pigment gefärbt, im Er-
wachsenen jedoch fester und fast von gleicher Farbe mit der Aderhaut sey, mit der
sie durch Gefafse verbunden werde. Jacob hält sie den serösen Häuten analog; Dieser
Ansicht sind unter den neuern Anatomen die meisten beigetreten, unter denen ich
Meckel , MinAUi/r, H. Clo^uet, Ev. Home, Hesselbach, Leiblein, Tbevibanus,
M. J. Webeb, Schön, Habbison, Lauth, Fbänzel, v. Ammon nenne, welche als beson-
dere Gründe für die seröse Natur dieser Membran erstens die gröfsere oder geringere
Anhäufung von Flüssigkeit, die man zuweilen zwischen der Ader- und Netzhaut rindet,
und zweitens die Verknöcherungen zwischen beiden Häuten anführen. Webeb 34) und
Lauth35), Fräkzel 36) und v. Ammon 37) haben über den Verlauf der sogenannten
jAcoß'schen Haut noch die besondere Meinung, dafs sich dieselbe zwischen dem Strah-
lenkörper und Strahlenblättchen bis zur Linsenkapsel erstrecke. Erstere nehmen an,
sie verbinde sich hier mit der die hintere Augenkammer auskleidenden Membran der
wässerigen Feuchtigkeit und steile demnach eine sehr entfaltete Haut dar, welche nach
der nähern Beziehung zu den einzelnen Regionen des Auges eine verschiedene Bildung
erkennen lasse; Letztere dagegen behaupten, dafs die JACOß'sche Haut die Falten des
Ciliar-Körpers überkleide, sich von dem vorderen Ende der Ciliar-Fortsätze nach der
Linsenkapsel hinbegebe, und so jene mit dieser verbinde, welche Verbindung, wie wir
oben sahen, v. Ammon den orbiculus capsulo-ciliaris nennt.

Die letztere Meinung haben wir oben schon geprüft und gezeigt, dafs der Zusam-
menhang der Ciliar-Fortsätze [mit der Linsenkapsel durch das Strahlenblättchen geschieht,
Was aber die WEBEB'sche Ansicht betrifft; so müssen wir sie, auch im Fall die JACOß'sche
Haut existirle, durchaus verwerfen, weil erstens die Haut der wässerigen Feuchtig-
keit sich nicht in die hintere Augenkammer erstreckt, und zweitens, wenn diefs auch
statthätte, sie als eine geschlossene Kapsel, als ein Sack, wie sie Webeb selbst darstellt,
sich nicht in eine Membran fortsetzen kann, die zwischen dem Strahlenkörper und
Strahlenblättchen liegt. Wenn also Webeb 3S) in demselben Aufsatz einmal die Membran der
wässerigen Feuchtigkeit die ganze hintere Augenkammer und selbst die vordere Fläche der
Linsenkapsel bekleiden läfst und dann wieder annimmt, dafs diese und die JACOß'sche Haut
in einander übergehen und ein zusammenhängendes Ganzes darstellen; so müssen wir ihn

34) A. a. O. S. 379. ff.

35) Manuel de l'anatoraiste. p. 269. u. 2G2.

36) Ammon's Zeitschrift. II. 1, S, 25. ff

37) A. a. O. S. 4. ff.

38) A. a. O. S. 372.
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