Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 67
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durch eine heftige Entzündung Ergufs eines plastischen Stoffs zwischen die genannten
Häute veraulafst worden, der zu einer falschen Haut sich organisirt habe und endlich
verknöchert sey. Er glaubt, dafs diese Erklärungsweise auf alle Verknöcherungen
im Auge Anwendung finde.

Wenn ich gleich das Vorkommen von Verknöcherungen der Retina und Chorioidea
nicht in Zweifel ziehen kann, da die Beobachtungen von Morgagni und Zinn so wie
die von Walter und Wardrop die Möglichkeit derselben beweisen; so mufs ich doch
Jacobson's Behauptung in so weit beitreten, als in der Mehrzahl der Fälle regelwidrige
Absonderungen der Chorioidea Incrustationen derselben zur Folge haben können, und
diese sich zuweilen in der Art ausdehnen, dafs sie die Aderhaut oder Retina, ja selbst
beide in den krankhaften Procefs mit einziehen oder sie durch dieselben verdrängt und
so zu sagen atrophisch werden. Morand, Cruveilhier, Günz, Panizza, Magendie, Schön 46),
Dubrenh- haben Fälle aufgezeichnet, in denen Knochen - Concremente zwischen jenen
beiden Membranen beobachtet wurden. Diese Mittheilungen, so wie Jacobson's Unter-
suchungen bestimmen mich zur Ansicht, dafs die Knochenmasse, welche man an den
angegebenen Stellen des Auges hie und da wahrnimmt, selten ursprünglich ossificirte
Membranen sind, sondern gewöhnlich in Folge einer krankhaften Secretion, namentlich
bei arthritischer Dyscrasie, als wahre Incrustationen der Chorioidea entstehen; und dafs
in vielen Fällen, wo diese Haut oder die Retina auch verknöchert gefunden wird der
krankhafte Procefs doch von der abnormen Secretion ausgegangen ist. Sichel's47) Behaup-
tung, dafs die Verknöcherungen, über deren Sitz man Bedenken erhebe, in der Retina
seyen , da er diefs bei anatomischer Untersuchung atrophischer Augen oft gefunden habe,
mufs ich so lange in Zweifel ziehen, bis zuverläfsigere Beobachtungen mich hiervon
überzeugen.

Die Chorioidea ist als eine an Gefafsen sehr reiche Membran höchst wichtig für
das Sehorgan, und diefs hauptsächlich durch die Absonderung des schwarzen Schleims,
welcher die Aufsaugung der in's Innere des Auges gelangten Lichtstrahlen bewirkt und
dadurch das Sehen auch bei stärkerem Lichte möglich macht. Abnorme Zustände der
Aderhaut bedingen mehr oder weniger auffallende und nachtheilige Abweichungen in der
Qualität und Quantität des schwarzen Pigments oder können selbst völligen Mangel
desselben hervorrufen. Bei Krankheiten der Gefäfshaut des Auges ist daher das Sehen
im höheren oder geringereu Grade gestört und mangelhaft; namentlich aber zeigt uns das
Kakerlaken-Auge, wie wichtig und nothwendig der schwarze Schleim für das Gesicht ist.
Im Gegensatz zum Auge des Mohren ist es das empfindlichste, denn nur schwachen

46) Handbuch der pathologischen Anatomie des Auges. S. 188, 201 u. 223.

47) Cahstatt über den Marlschwaram des Auges. S. 93.
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