Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 68
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Lichtreiz kann es ertragen, und auch nur bei solchem ist deutliches und bestimmtes
Sehen möglich, da hingegen selbst mäfsiges Licht störend auf die Function des Auges
einwirkt.

Der vorderste um die Linsenkapsel gelegene Theil der Chorioidea, der Ciliar-Körper,
besitzt dieselbe Bestimmung, wie die ganze Aderhaut; denn auch er absorbirt, vermöge
seines schwarzen Pigments, Lichtstrahlen, welche ins Auge gelangen, und besonders
solche, die in schiefer Richtung nach dem Rande der Linse gehen, welche sonst zurück-
geworfen werden, und die Deutlichkeit des Bildes auf der Netzhaut stören würden.
Seine Gröfse steht insofern bei den Thieren mit dem Verhältnifs der Cornea zur Linse
und der Gestalt beider im Verhältnifs. Er ist grofs bei der Robbe und den Eulen*),
die eine grofse Cornea bei einer fast kugelförmigen Linse haben, hingegen beim Menschen
und einigen Affen, deren Hornhaut einen kleinen Theil des Augapfels ausmacht und deren
Linse sehr flach ist, kleiner als bei den mehrsten der übrigen Thiere 48).

Aufserdem hat aber der Strahlenkörper noch einen besonderen Zweck, Die Cho-
rioidea, Retina und Glashaut sind um die Linsenkapsel herum sehr genau mit einander
verbunden, indem die Fortsätze des Ciliar - Körpers in die Vertiefungen des Strahlen-
blättchens eingreifen und beide das Ende der Nervenhaut zwischen sich nehmen. Dadurch
werden diese drei Häute in ihrer gehörigen Lage zu einander erhalten, und zugleich die
Linse an ihrer Stelle im Glaskörper befestigt. Diese Ansicht haben viele ältere und
neuere Physiologen ausgesprochen und vertheidigt; ihr mufs man auch beitreten, wenn
man die genannten Theile in ihrem innigen Zusammenhang mit einander und in ihrer
relativen Lage betrachtet. Die Linse mit ihrer Kapsel, von dem vordersten Theil des
Glaskörpers aufgenommen, ist durch diesen fest verbunden mit den Strahlenfortsätzen,
die sich aber, wie früher nachgewiesen wurde, nicht unmittelbar an die Krystallkapsel
anheften. Wäre dieser innige Zusammenhang nicht, so würde die Linse mit dem Glas-
körper bei äufseren Einwirkungen auf den Augapfel oder bei etwas starken Contractionen
der Augenmuskeln leicht aus ihrer Verbindung und ihrer Lage gebracht werden können.

Seit Keppler, welcher zuerst dem Strahlenkörper die Bestimmung beilegte, die
Linse in ihrer Lage zu verändern, sind sehr viele Physiologen dieser Meinung beigetreten
und haben die Ansicht vertheidigt, dafs die Veränderungen im Innern des Auges durch
den Ciliar-Körper bewirkt würden. Keppler selbst nahm an, dafs dieses Gebilde,
welches wie ein beweglicher M«skel die Linsenkapsel umgebe, bei seiner Contraction den
Glaskörper zurück und dadurch die Linse vorwärts treibe, und diese Annahme behielten

*) Hück's Untersuchungen zufolge auch heim Pferd und Wallfisch, (De mutationihus oculi internis. Tah.)
48) TßEVHUNira Biologie. Bd. VI. S. 469.
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