Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 69
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die meisten mit nur geringen Abweichungen bei 49). Scheiner und Cartesius änderten
diese Theorie dahin ab, dafs die Linse durch die Zusammenziehung des Sirahlenkörpers
convexer würde. Molinettt und Santorini dagegen lehrten, der Kryslall des Auges werde
durch die Strahlenfortsätze flacher. Unter den Neuern hat Keppler's Lehre besonders an
Rudolphi 50),Gräfe*), Knox 51), J. Müller 52), Hück 53) Anhänger und Vertheidiger gefun-
den. Sie führen die Aehnlichkeit im Bau des Ciliar-Körpers mit dem der Iris, die Beobach-
tungen Anderer und eigene Untersuchungen über Nerven zu diesem Gebilde, die Existenz
des PETrr'schen Kanals und vergleichend-anatomische Untersuchungen als Beweise für
ihre Ansicht an. Die Ciliar-Fortsätze sollen entweder, wie diefs anfänglich Zinn glaubte,
durch ihre Turgescenz eine geringe Bewegung der Linse nach vorwärts bewirken, oder
durch concentrische Contraction den Glaskörper zurück und dadurch die Linse vortreiben.
Zinn's, Sömmerring's und eigene Nachforschungen über den Bau des Ciliar-Körpers,
aus denen hervorgeht, dafs dieser rein vasculöser Natur ist und weder Fasern noch Nerven
enthält, bestimmen uns, Keppler's Lehre nicht beizutreten. Eben so wenig können wir
aber auch die Ansicht theilen, dafs das corpus ciliare durch seine Turgescenz eine
Veränderung in der Lage der Linse bewirke. Wenn Rudolphi und Müller annehmen,
dafs die Bewegungen der Iris zunächst nicht von einem vermehrten oder verminderten
Blut-Turgor der Gefäfse der Iris abhängen, so müssen sie auch, da sie den Ciliar-
Körper mit der Blendung im Bau vergleichen, zugeben, dafs die Turgescenz der
Gefäfse des Strahlenkörpers eben so wenig beträchtliche Veränderungen in den Lagerungs-
verhältnissen der inneren Theile des Auges bewirken kann, als der Zustand der Pupille
nicht hauptsächlich durch die Blutgefäfse bestimmt wird. Gesetzt aber auch, es hätte
eine Veränderung der Linse in ihrer Lage zufolge eines Turgors des Ciliar-Körpers statt,
wie wäre es möglich und denkbar, dafs die Veränderungen so schnell erfolgten , wie diefs
doch beim Nah- und Fernsehen statt haben müfste? Die Ciliar-Fortsätze liegen nicht
ganz frei wie die Iris, sondern greifen in das Strahlenblättchen ein und sind mit diesem
genau verbunden, so dafs eine Turgescenz derselben nicht so schnell gehoben und der
entgegengesetzte Zustand herbeigeführt werden kann. Ich stimme daher vollkommen
Zinn 34) bei, welcher seine frühere Ansicht über den Einflufs des Strahlenkörpers auf die
Lage der Linse völlig änderte, und seine Ueberzeugung in folgendem Satz sehr gut
aussprach: Quae cum ita sint, animus eo fere inclinat, ut in dies magis magisque dtibitem,

49) Hallbri elcmcnta physiologiae. Tora. V. p. 509. ff.

50) Physiologie, B. 2. S. 214.

♦) Reil.s Archiv. B. 9. S. 225. ff.

51) A. a. O. ■■..... <

52) A. a. O.

53) De mutationihus ocnli internis. p. 28. ff.

54) De vasis euhtilioribus oculis. p. 19. u. 20,
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