Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 71
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denen, welche der älteren Lehre und besonders der Behauptung von Ruysch treu
geblieben, nenne ich Rudolphi 55) und Edwaiids 56). Ersterer sagt: „Die Gefäfshaut
geht mit ihrer äufseren Lamelle vorn in das Strahlenband über, und mit diesem ist die
vordere Lamelle der Iris verbunden. Die innere Lamelle der Gefäfshaut, oder die soge-
nannte tunica Ruyschiana hingegen bildet vorn durch Verdoppelungen die sogenannten
Strahlenfortsätze und geht hernach einfach weiter fort zur festen Verbindung mit der
Uvea oder der hinteren Fläche der Regenbogenhaut." Ohne auf den so verschiedenen
Bau der Blendung und Aderhaut Rücksicht zu nehmen, mufs man.diese Ansicht als falsch
verwerfen, wenn man die Art der Verbindung der Iris mit der Chorioidea und den Antheil
verschiedener Gefäfse an der Bildung beider Häute beachtet.

Der vordere Rand des Ciliar-Bands erzeugt mit dem äufseren Theil des Strahlen-
körpers eine Furche oder einen Falz zur Aufnahme des äufsern Rands der Lis, welche an
dieser Stelle so wenig fest mit der Aderhaut zusammenhängt, dafs sie von ihr leicht getrennt
werden kann, ohne dafs man das corpus ciliare oder ligamentum ciliare beschädigt.
Entfernt man an dem Auge eines Menschen die Hornhaut mit dem vorderen Theil der
Sclerotica, ohne das Strahlenband und die Aderhaut zn verletzen, und versucht man als-
dann die Iris aus ihrer Verbindung mit diesen zu lösen; so wird ein Jeder, der hierbei
vorsichtig arbeitet, sich überzeugen, dafs Blendung und Aderhaut nicht durch ihre
Substanz in einander übergehen, sondern dafs erstere nur durch die langen und vorderen
Ciliar-Gefäfse und durch feine Nervenfäden mit dem Ciliar-Band zusammenhängt. Unbe-
greiflich ist es mir, wie Schlemm 57) behaupten kann, das Strahlenband sey inniger mit
der Blendung als mit der Aderhaut verbunden. Nur bei Thieren, nie aber beim Menschen
sah ich beide Gebilde so genau zusammenhängend, dafs bei der Trennung der Regen-
bogenhaut diese oder die Chorioidea eingerissen und das Strahlenband beschädigt worden
wäre.

Die Iris hat, wie bekannt, ihre besonderen Arterien und Venen, und nur wenige Gefäfse
gehen von der Chorioidea in sie über. Ihr Leben ist daher hauptsächlich an die Existenz
der langen und vorderen Ciliar-Gefäfse gebunden, in ihrer Bildung ist sie zunächst von der
Entwickelung dieser abhängig und so zu sagen aus der membranartigen Entfaltung der-
selben hervorgegangen. Die Blendung steht also zur Aderhaut in einem ähnlichen Ver-
hältnis, wie diese zur weichen Haut des Hirns.

Zwei Punkte sind es hauptsächlich, welche die Anatomen noch heut zu Tage in
Bezug auf den Bau der Iris vielfach beschäftigen und zu den verschiedenartigsten

55) Ucbcr einige Theile des Auges. S. 14.

56) Meckbl's Archiv. Bd. I. S. 155.

57) Encyclopädisches Wörterliuch. B. 4. S. 24.
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