Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 72
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Ansichten Veranlassung gegeben haben. Sie betreffen die Existenz, Natur und Anord-
nung der aufser den Gefäfsen von Vielen bemerkten Pasern in der Regenbogenhaut, und
das Verhalten der Ciliar-Nerven in derselben.

Mehrere berühmte Anatomen, die vorurtheilsfrei ihre Untersuchungen über den
Bau der Regenbogenhaut anstellten, wie Mery , Valsalva, Weitbrecht, Haller, Zinn,
Blumenbach, Bichat,' Sömmerring und einige Neuere behaupten, dafs an dieser Membran
nicht einmal mit bewaffnetem Auge Fasern erkannt werden könnten; die meisten dage-
gen sprechen, theils auf Untersuchungen, theils auf die Erscheinungen der lebenden
Iris sich stützend, die Ueberzeugung aus, dafs Fasern in derselben vorhanden seyen.
Unter diesen nehmen, wie bekannt, mehrere (Morgagni, Meckel, Monro, Treviranus u. A.)
blos Kreis-, andere (Lobe, Kieser) blos Längsfasern an, und viele (Ruysch, Boerhaave,
Winslow, Janin, Maitnoir, Cloquet, Savnoers, M. J. Weber, Rosas etc.) lassen beiderlei
Arten von Fibern gelten, weil so manche Erscheinungen dazu bestimmen. Die meisten
Anatomen und Physiologen, welche an das Daseyn dieser Fasern glauben, sind über
die Natur derselben so weit eins, dafs es Muskelfasern seyen, durch welche die so
lebhaften Bewegungen der Iris hervorgebracht würden. Sie hat besonders schön und
verführerisch mit Bauer's Hülfe Ev. Home 5S) mikroskopisch dargestellt, und es liefse
sich an der Richtigkeit und Wahrheit der herrlichen Abbildungen, an denen mau Kreis-
und Längsmuskelfasern der Iris zum Erstaunen klar gegeben findet, nicht zweifeln,
wenn nicht so manche andere Beobachtung und bildliche Darstellung des von Ev. Home
Gesehenen allzusehr der Natur zuwider und völlig unwahr befunden worden wäre. Jacob 59),
welcher auch Muskelfasern in der Iris annimmt, unterscheidet sich in seiner Ansicht von
den übrigen darin, dafs die Fasern nicht an der hinteren, sondern vorderen Fläche liegen,
wo sie durch Hervorragungen sichtbar werden; was man an der hinteren Fläche für
strahlenförmige Muskelbüudel gehalten hat, seyen Gefäfse, die sich bei vorsichtiger
Injection einspritzen liefsen. Nach Travers co) und Jennings 61) soll am Pupillar-Rand
der Iris ein Schliefsmuskel liegen, welcher durch seine Contraction die Verengerung der
Pupille bewirke; der übrige Theil der Blendung aber aus einem Gewebe bestehen, von
dessen Elasticität die Erweiterung des Sehlochs abhängig sey, welche somit nicht unter
dem unmittelbaren Einflufs der Nerven und des Lebens stehe. Andere, wie Rudolphi 62),
glauben an eine den Muskeln analoge Substanz, und nur Wenige, Dömling G3), lassen sie

58) Philosoph, transact. 1822. tal». VII. Fig. I.

59) Med. chirurg. transact. vol. XII. p. 509. ff.

60) Htimhurger Magazin der ausländischen Literatur der Heilkunde. B. II. S. 425.

61) Fhoriep'b Notizen. B. 21. S. 133. ff.

62) Lchrhuch der Physiologie. B. II; S. 218.

63) Reil's Archiv. B. V. S. 335. ff.
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