Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 75
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Ring an dem Pupillar-Rand der Iris und der übrige Theil dieser Membran bilden
demnach zu einander einen bemerkenswerthen und wichtigen Gegensatz, welcher durch
die Umgestaltung hervorgerufen wird, den das Zellgewebe der Iris am inneren Rand
erfährt. So wie der Ring am Pupillar - Rand vollständig und nicht unterbrochen ist,
und also bei geregelter Thätigkeit desselben eine gleichmäfsige Verengerung der Pupille
erfolgen mufs; ebenso bildet das Zellgewebe von diesem Ring an bis zum äufseren Rand
eine zusammenhängende, vollkommene, membranartige Ausbreitung, welche bei ihrer
Contraction den entgegengesetzten Zustand der Iris hervorbringt. So wie überall, wo in
einem Organ Gegensätze auftreten, im normalen Zustande der eine Theil ruht oder
wenigstens in seiner Thätigkeit nachläfst, wenn der andere wirkt, so mufs die Contraction
in dem zellgewebigen Ring der Iris nachlassen oder aufhören, wenn der übrige Theil
in Activität tritt und entgegengesetzt; denn sonst werden ungeregelte Zustände der Iris,
eine ungleichförmige Erweiterung oder Verengerung der Pupille erzeugt.

Manche Physiologen werden nicht geneigt seyn, einen solchen Gegensatz in den
Thätigkeiten der Regenbogenhaut anzuerkennen, weil sie entweder blos die Verengerung
der Pupille oder nur die Erweiterung derselben als einen activen Zustand ansehen. —
Abgesehen davon, dafs der Bau der Iris ganz obige Ansicht rechtfertigt, so können
doch auch manche Erscheinungen nicht erklärt werden, wenn wir nicht beide Zustände
für active halten; denn es wird die Pupille, wie bekannt, in manchen Krankheiten oder
durch die Anwendung von gewissen Mitteln in einem solchen Grade erweitert oder
verengt, wie man sie im Tode gewöhnlich nicht sieht. So wie man die Pupille hier
findet, mufs man sie doch als den passiven Zustand der Iris ansehen, und diesen beobachtete
ich bei Leichen nie als beträchtliche Erweiterung oder Verengerung des Sehlochs. RunoL-
Pm c5) bemerkt sehr richtig, dafs Alles für die Thätigkeit der Iris in beiderlei Zuständen "
spreche, und dafs es sich mit der Iris wie mit den Schliefsmuskeln verhalte, deren
äufserer und innerer Theil antagonistisch wirke. — Ferner üben die gleichen Zustände
im animalen und vegetativen Nervensystem einen entgegengesetzten Einflufs auf die
Regenbogenhaut aus, so dafs die Pupille sowohl durch Reizungen im vegetativen Leben
als auch durch geminderte oder aufgehobene Thätigkeit des Cerebralsystems erweitert,
durch geschwächten oder unterbrochenen Einflufs jenes, so wie durch erhöhtes Wirken
dieses aber verengt wird. Wie können wir uns diese Phänomene erklären, wenn wir
nicht beide Zustände des Sehlochs für active gelten lassen, und annehmen , dafs wenn
im äufseren Kreis der Regenbogenhaut Contraction erfolgt, die Pupille erweitert wird;
dieselbe sich aber verengt, wenn der Pupillar-Ring sich zusammenzieht?

<!5) Physiologie. Bd. II. S. 217.
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