Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 78
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nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es mir, an einem schon einige Zeit in
Alkohol gelegenen Auge, an dem die Ciliar-Nerven sehr reich und stark waren, diese
durch das Ciliar-Band bis fast zum Pupillar-Rand zu verfolgen. Als ich die Iris,
welche sich durch ihre schöne blaue Farbe auszeichnete, näher betrachtete, erkannte
ich schon mit blosem Auge zahlreiche feine, weifsliche, geschlängelt verlaufende
Fäden, die sich gegen den inneren Ring der Regenbogenhaut allmählich verloren, in
die Substanz dieser Haut übergingen und mit ihr so zu sagen eins wurden. Ich ver-
folgte alsdann die Stämmchen der Blendungsnerven mit einer feinen Nadel durch das
Ciliar-Band , und sah nun deutlich und bestimmt, dafs jene Fädchen die Fortsetzung
dieser waren. In dem Strahlenband theilten sich die Stämmchen jener Nerven gabel-
förmig in gröfsere und kleinere Zweige, von denen erstere auf der vorderen Blendungsfläche
weit gegen den Pupillar-Rand hin mit unbewaffnetem Auge verfolgt werden konnten, letztere
aber sich in dem äufseren Theil der Blendung verloren. Mikroskopische Untersuchungen,
welche ich über die Endigung der Iris-Nerven vornahm, lehrten mich, dafs dieselben
theils im äufseren Umfang, theils im inneren Ring in die Substanz der Blendun«- über-
gingen, mit ihr eins wurden und völlig verschmolzen. Nirgends sah ich weder mit
unbewaffnetem, noch bewaffnetem Auge Anschwellungen oder Ganglien an den Nerven-
fäden; auch erkannte ich keine Verbindungen zwischen einzelnen Zweigen derselben.

Da die Nerven zur Iris gröfstentheils aus dem Augenknoten hervorkommen, so ist
es einleuchtend, dafs die Bewegungen dieser Membran sich uns als automatische
darstellen und der Mensch keinen unmittelbaren Einflufs auf dieselben auszuüben im
Stande ist. Mehrere Physiologen, Fontana, Zinn, Toracca, Porterfield , Adams,
Dömling, Purkinje, Vallf'e nehmen zwar an, dafs der Wille einen gleichen Einflufs
auf die Bewegungen der Iris habe, wie auf die Muskeln des Augapfels und der Augen-
lieder, und suchen diesen Satz durch Experimente und einzelne Beispiele zu bestätigen,
die aber nichts anderes beweisen, als dafs wir durch den Willen mittelbar auf die
Bewegungen der Regenbogenhaut influiren können, und dafs wir im Stande sind, durch
Uebung dahin zu gelangen, unsere Pupille nach Willkühr zu erweitern und zu verengern,
ebenso wie wir auch auf Organe, die allgemeiner Annahme zufolge aufser dem Bereich
unseres Willens liegen, eine Herrschaft auszuüben vermögen. So gibt es bekanntlich
Menschen, die nach Willkür ihren Herzschlag verändern, ja die im Stande sind,
denselben sogar unfühlbar zu machen, Menschen, die sich willkührlich erbrechen und
des Roths entledigen können. Dürfen wir defswegen den Satz aufstellen, die Bewegungen
des Herzens, die des Magens und Darmkanals sind nicht automatisch, sondern dem
Willen unterworfen? Eben so unpassend scheint es mir, wenn man auf der Meinung
besteht, dafs die Iris - Bewegungen willkührliche seyen. Solche Fälle sind Ausnahmen
von der Regel, und beweisen nur, dafs der Mensch durch Uebung sich eine grofse
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