Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 79
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Herrschaft selbst über solche Gebilde des Körpers verschaffen kann, die ursprünglich
dem unmittelbaren Einflufs seines Willens entzogen sind. Uebrigens ist dieser selbst
in jenen Fällen entweder durchaus oder wenigstens doch im Durchschnitt ein mittel-
barer, indem wir durch andere Werkzeuge, die dein Willen unterworfen sind, auf
jene influiren. — So vermögen wir an der Iris scheinbar willkührliche Veränderungen
hervorzubringen, indem wir durch das dritte Paar der Hirnnerven auf die Bewegung
, der von ihm mit Nerven versehenen Muskeln einwirken. Sehr schön beweisen diefs
die Versuche von J. Müller*) an seinem eigenen Äuge; denn läfst er den geraden inneren,
oberen und unteren, so wie den schiefen unteren Augenmuskel in Thätigkeit treten, so
erfolgen immer Veränderungen der Pupille; wird aber das Auge durch den äufseren
geraden oder oberen schiefen Muskel in Beweguug gesetzt, so bleibt sie stets unverändert **).
Die Regenbogenhaut ist für das Auge ein sehr wichtiges Gebilde; denn durch sie
wird nicht allein die Absonderung der wässerigen Feuchtigkeit, sondern auch die von
schwarzem Pigment, womit ihre hintere Fläche überzogen ist, vermittelt, welche
Secreta für das Sehen von hoher Bedeutung sind. Die Iris schützt, die Markhaut
gegen zu starkes Licht, indem sie nach der verschiedenen Einwirkung desselben in
verschiedenem Grade Verengerung der Pupille bewirkt, und dadurch den Lichtreiz auf
das Auge mehr oder weniger moderirt. Sie hat endlich beim Sehen naher und ferner
Gegenstände, wie diefs vielfache Beoachtungen und die Messungen von Lambert und
Olbers lehren, eine wichtige Verrichtung, und besitzt einen gewissen Einflufs auf das
genaue Erkennen der Objecte. Die Pupille erweitert sich beim Sehen ferner und
verengt sich beim Betrachten naher Punkte. Die Störungen des Gesichts bei beträcht-
licher Erweiterung der Pupille sowohl in Folge von Krankheiten als auch der Anwendung
narcotischer Mittel beweisen zur Genüge, dafs der Blendung beim Nah- und Fernsehen
eine wichtige Bestimmung zukommt; denn das Vermögen, ferne Objecte zu erkennen,
dauert hierbei fort; nahe Gegenstände aber werden dabei nicht deutlich und bestimmt
wahrgenommen, und zugleich stellen sich uns alle Punkte kleiner dar, als im gewöhn-
lichen Zustande.

Mehrere Physiologen, de la Hire, le Roi, Haller, Trevirasiis haben in den Verände-
rungen der Pupille das einzige Mittel zu finden geglaubt, wodurch die Deutlichkeit des
Sehens in der Nähe und Ferne möglich ist. Allein nach Olbers Messungen sind diese Ver-
änderungen so bedeutend nicht, als sie seyn müfsten, wenn blos in ihnen der Grund
läge, und zweitens finden wir, was schon oben bemerkt wurde, bei Leuten, die nur in

*) Müller wird diese Versuche demnächst mitthcilen ; ich haue sie daher hier Mos in so weit herührt
als es nothwendig war. Die Benutzung dieser Beohachtung, welche ich einer mündlichen gütigen Mittheilung
verdanke, wird Müller mir wohl nicht ühcl deuten.

") In anderen Hinsichten haue ich mich üoer die Bewegungen der Iris und die Verrichtung des Angon-
knoten schon ausgesprochen in meiner Schrift üher den Kopftheil des vcgatatlvcn Nervensystems. S. 168. ff.
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