Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 80
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der Ferne sehen, eine enge , bei Nahesichtigeu dagegen sehr häufig eine weite Pupille-
Ich glaube daher annehmen zu müssen, dafs der verschiedene Zustand der Iris beim
Nah- und Fernsehen immer von Einflufs ist, dieser aber nicht so bedeutend seyn kann,
dafs wir hierdurch allein das Sehen in verschiedenen Entfernungen erklären dürfen. —
Dafs die Pupille beim Betrachten naher Gegenstände sich verengt, beim Sehen in die
Ferne erweitert gefunden wird , mag wohl nicht allein von dem verschiedenen Lichtreiz
naher und ferner Objecte herrühren, sondern auch durch die verschiedene Anstrengung
des Auges, die hierbei statt hat, bewirkt werden; denn bei in Nahsehen strengen wir
das Auge mehr an, indem die Augenmuskeln in gröfsere Thätigkeit treten, welche,
da diese hauptsächlich durch das dritte Paar vermittelt ist, dem Augenknoten sich
mittheilt, dessen Wirken von dem dritten Hirnnerven im hohen Grade abhängig ist,
weil derselbe zu denjenigen Ganglien gerechnet weiden mufs, die nicht einzig und
allein dem vegetativen Nerven-System zugehören, sondern an deren Bildung auch Hirnnerven
einen wichtigen Antheil haben, und deren Leben von ihnen mächtig bestimmt wird.
Beim Fernsehen ruht das Auge aus, die Augenmuskeln lassen in ihrer Wirkung nach
und da die Bewegungen dieser mit den Veränderungen der Pupille gewissermafsen über-
einstimmend sind, so wird das Sehloch erweitert.

Die Bewegungen der Pupille beider Augen sind sehr übereinstimmend. Das Sehloch
erweitert und verengt sich nach dem verschiedenen Lichtreiz gleichzeitig an dem rechten
und linken Auge, wenn auch derselbe auf das eine abgehalten ist. Bei Lähmung der
Nerven - Partieen im Grunde des Auges , bei vollkommener Amaurose erleidet die
Blendung des kranken Auges Veränderungen, die dem Lichtreiz auf das gesunde voll-
kommen entsprechen. Diese Erscheinung hat man auf verschiedene Weise zu erklären
gesucht, indem bald der Consens beider Augen, bald die Verbindung der Sehnerven
in dem Chiasma, bald die Vereinigung der Augen-Nasennerven in dem foramen incisivum,
bald der Zusammenhang des sympathischen Nerven von beiden Seiten mit dem Hirnanhang
zu Hülfe genommen wurden. — Da die Thätigkeit der Regenbogenhaut von dem
Augenknoten abhängt, und dieser in seinem Wirken, wie oben bemerkt, von dem
dritten Hirnnerven sehr bestimmt wird; so möchte mau wohl in dem besondern Verhalten
dieser Nerven im Ursprung am einfachsten und naturgemäfsesten die Erklärung suchen.
Der nervus oculomotorius entsteht nicht allein von den Hirnschenkeln, sondern auch
von der zwischen ihnen befindlichen Masse, der substantia perforata media, so dafs
mehrere Wurzeln beider Nerven in dieser Stelle innig mit einander verbunden sind.
Hierdurch scheint mir die übereinstimmende und gleichzeitige Veränderung der Pupille
an beiden Augen gedeutet werden zu müssen, gleich wie in dem Chiasma des zweiten
Hirnnerven die Einheit des Sehorgans erkannt wird.
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