Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 83
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0091
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
8*

der Retina in seinem Bau dieselbe Beschaffenheit, wie der markige Theil derselben.
Zahlreiche kleine Kügeichen, die durch eine weiche halbflüssige Substanz zusammen-
gehalten werden, bilden die Grundlage desselben. Man möchte vielleicht glauben, dafs
blos die Markmasse der Nervenhaut sich zwischen dem Strahlenkörper und Strahlen-
blättchen fortsetze und hier die Zell- oder Gefäfsschichte fehle. — Wenn ich gleich
bisher nicht so glücklich war, die Gefäfse der Retina bis zwischen jene beiden Theile
mit dem Auge zu verfolgen und das Ciliar-Blättchen der Markhaut zu dünn und zart
ist, um hierüber selbst vermittelst des Mikroskops etwas Bestimmtes ausmitteln zu
können, so scheint mir doch die Ansicht zunächst am haltbarsten, dafs die ganze
Nervenhaut sich gegen die Linsenkapsel fortsetzt, weil die Markschichte derselben
ohne die Gefäfsschichte nicht bestehen und eine solche Trennung nur in der Idee
nicht aber in der Natur existiren kann. Auf keinen Fall aber darf man mit Jacob 5)
annehmen , dafs blos die Gefäfsschichte der Retina sich bis zur Liusenkapsel erstrecke,
oder mit Treviranus 6) behaupten, die fibröse Lamelle derselben gehe bis zur Linse
fort, und das Markblatt höre am Anfang des Ciliar - Körpers mit einem verdickten
Rande auf..

Da die Nervenhaut an dem äußeren Umfang des Ciliar-Körpers ziemlich stark ist,
hier aber plötzlich dünner wird und alsdann sich mit dem Strahlenkörper und Strah-
lenblättchen innig verbindet, so ist es leicht erklärlich, dafs man im Durchschnitt das
Ende der Retina am Anfang des Ciliar-Körpers annimmt. Einerseits sind die Theile
so zart und weich, und auf der andern Seite ihre Verbindung so innig, dafs man nur
bei grofser Behutsamkeit und günstiger Zeit den Ciliar-Körper entfernen kann, ohne
die Markhaut zu verletzen; sitzt aber letzterer zu fest auf dem Strahlenblättchen auf,
so trennt sich gar gern der Ciliar-Theil von der Retina und zwar in der Art, dafs
diese einen freien abgerundeten oder umgeschlagenen Rand, an dem man mit blosem
Auge keine Unebenheiten oder Risse wahrnimmt, besitzt. Besonders hinderlich für
das richtige Erkennen und Auffinden des Endes der Nervenhaut ist die oft bedeutende
Adhäsion des schwarzen Pigments, durch welches sich der äufsere Umfang des Ciliar-
Körpers häufig so abdrückt, dafs es scheint, wie wenn der dickere Theil der Retina sich
nicht mit einem gleichen, sondern gezackten Rande (margine undulato-dentato) endige
in welchen Irrthum Döllinger, Hesselbach Uud Bärens verfielen. Will man über das
Ende der Nervenhaut ein klares und richtiges Bild sich verschaffen,, so mufs man so
viel als möglich, den schwarzen Schleim zu entfernen suchen. Diefs geschieht am
leichtesten dadurch, dafs man den Augapfel nicht ganz frisch untersucht und unte'r

5) Med. - chirurg. transact. vol. XII. p. 492. u. 493.

6) Biologie. B. 6. S. 557.
loading ...