Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 85
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von der Textnr der Nervenhaut, sondern von einer abgesonderten gelben Flüssigkeit
herzuleiten sey. Diese Ansicht wird noch bestätigt durch die Angabe von S^amc 9)
dafs derselbe früher auf der äufseren als auf der inneren Fläche der Netzhaut und
dort immer saturirter als hier erscheint, ferner durch den Umstand, dafs nach
viertägigem Einweichen der Retina in Wasser die gelbe Farbe sich wieder verliert, und
endlich durch die Beobachtung von Leveille , zufolge welcher dieser an zwei gefrornen
Augen durchsichtige gelbe Eiskrystalle auf dem Loch der Netzhaut wahrnahm 10). Bei
dem neugebornen Kinde findet man den gelben Fleck noch nicht; erst 14 oder 16
Monate nach der Geburt wird er wahrgenommen.

Ueber die Ursache des gelben Flecks hat man verschiedene Ansichten ausgesprochen.
Unter allen verdient wohl die von Michaelis und Ammon n) die meiste Berücksich-
tigung. Das Licht ist ihnen zufolge das seine Entstehung bedingende Agens ; daher
er erst mehrere Monate nach der Geburt erscheint, und in solchen Augen fehlt oder
schwächer sich zeigt, wo das Sehvermögen durch Hornhautflecken, grauen Staar, Sla-
phylom mehr oder weniger gehindert oder der Zutritt des Lichts in's Innere des
Auges abgehalten ist.

Wenn v. Ammon's 12) Vermuthung sich bestätigt, dafs das schwarze Pigment, einige
Zeit der Einwirkung der Sonnenstrahlen ausgesetzt, eine gelbliche Farbe erlangt, so sind
wir noch um so mehr zur Annahme berechtigt, dafs der gelbe Fleck im Auge durch
die besondere Einwirkung der Lichtstrahlen hervorgebracht wird. Hiermit stünde auch
im Einklang, dafs nach Ammon die macula lutea um so deutlicher erscheint, je reicher
das schwarze Pigment überhaupt, besonders aber im Grunde des Auges hinter jenem
Fleck ist. Die Art der Bildung wäre auf diesem Wege durch die Chemie nicht schwer
zu erklären. Man könnte nämlich annehmen, dafs die Lichtstrahlen, welche gerade auf
den Punkt in der Achse des Auges am stärksten influiren, auf das schwarze Pigment
welches aus Kohlenstoff, Schleim, einigen Salzen und etwas Eisen besteht, in der Art
einwirken, dafs sich ein Eisenoxydhydrat bildet, welches zuerst die hintere Fläche und
dann auch die vordere der Markhaut gelb färbt. Da das Licht die Eigenschaft
hat, chemische Verbindungen zu Stande zu bringen und aufzuheben, oder wenigstens
Veränderungen in ihnen zu erzeugen, und ein solcher Prozefs wohl noch begünstigt wird
durch die Flüssigkeit in der Falte der Retina; so steht, zumal wenn Versuche mit

9) Jenaer Literatur-Zeitung. April 1831. S, 21.

10) A. a. O.

11) A. a. O. S. 18.

12) S. 13.
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