Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 86
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schwarzem Pigment, das man den Sonnenstrahlen aussetzt, obige Vermuthung bestätigen,
die Ansicht nicht unbegründet da, dafs der gelbe Fleck im Auge durch die besondere
Einwirkung der Lichtstrahlen, in Folge der sich ein Eisenoxydhydrat bildet, erzeugt
wird. Ueber die Richtigkeit dieser Hypothese müssen Versuche über das Verhalten des
schwarzen Schleims zum Licht und zahlreiche Beobachtungen über Mangel oder schwä-
chere Ausbildung der macula lutea bei staphylomatöser Verbildung der Hornhaut,
Cataracta und anderen Augenfehlern, durch welche die Einwirkung des Lichtes auf die
Gebilde im Innern des Auges abgehalten oder geschwächt ist, entscheiden.

Stark's 13) Ansicht über die Natur der macula lutea kann mir nicht gefallen, da
hiergegen anatomische Untersuchungen und andere Gründe sprechen. Er sagt: „Die
Entstehung des gelben Flecks an dieser Stelle leite ich von einem Gefäfs der Chorioidea
her, welches gerade hier durch die Netzhaut zum Glaskörper tritt, und, wie alle Gefäfse
der Adarhaut, ein Pigment auf die Retina selbst absetzt, welches nnr wegen seiner
geringeren Menge gelblich erscheint. Bei allen Thieren, den Fischen, Amphibien,
Vögeln treten durch den hinteren Theil der Netzhautspalte Blutgefäfse, welche zum
Theil noch Pigment absondern, wie die zum processus falciformis der Fische, zum
Kamm der Vögel gehenden Arterien. Auch sahen Sömmeuring beim Hecht und Crocodil,
Knox bei mehreren Eidechsen und beim Chamäleon, Albeus bei einer Schildkröte, Camjs im
Ochsenauge an dieser Stelle einen schwarzen oder gelben Fleck, bei Säugethieren aber
Home und Wantzel das durch das Central-Loch eintretende Gefäfs deutlich, welchen
Männern man schwerlich, wie Rtjdolphi, eine Verwechselung mit der arteria centralis
zutrauen kann. — Da nun eine Cilia^-Schlagader gleichfalls im menschlichen Auge durch
eine dem gelben Fleck entsprechende Stelle der Sclerotica tritt, da die Chorioidea an,
dieser Stelle einen besonderen Gefäfsreichthum besitzt, hier mit der Netzhaut am innigsten
zusammenhängt, und die Farbe des Flecks selbst an den Rändern der Netzhautspalte am
saturirtesten erscheint; so läfst dieses Alles wenigstens mit grofser Wahrscheinlichkeit
vermuthen, dafs auch im Menschenauge ein Ciliar-Gefäfs die Retina durchbohre und das
gelbe Pigment dort absondere^ Der gelbe Fleck wäre mithin nur als Rudiment und
Stellvertreter des processus falciformis der Fische und des Kamms der Vögel anzusehen
und fehlt nur denjenigen Thieren, bei welchen sich jene Gebilde oder eine sparsame
Bildung des Pigments überhaupt oder nur an der äufseren Seite der Chorioidea, wie bei
den Wiederkäuern findet, oder bei denen das durchtretende Gefäfs zu bald wieder
abolescirt."

So sehr diese Meinung auch im Anfang gewinnt, so werden wir doch gegen sie
eingenommen, wenn wir Folgendes bedenken: Erstens haben bisher noch keine zuver-
13) A. a. 0. 29. u. 30.
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