Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 88
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Augen, bei der parallelen Lage der Augenachsen und dem Vermögen, einen Gegenstand
mit beiden Augen zugleich zu betrachten, der besonderen und oft starken Einwirkung
der Lichtstrahlen zuschreiben, wodurch auf die oben angegebene Weise gerade in der
Achse des Augapfels die gelbe Farbe erzeugt wird. Eine ähnliche- Bewandtuifs hat es
mit den Affen, bei denen die Achsen beider Augen parallel laufen, und welche so häufig
sich der aufrechten Stellung bedienen. Die meisten übrigen Säugethiere aber haben die
Augen zu beiden Seiten gewendet und gehen mit zur Erde gerichtetem Kopf oder führen
eine solche Lebensweise, bei der sie nur selten oder gar nicht dem Einflute starker Sonnen-
strahlen ausgesetzt sind. Sie haben aufserdem in der Nickhaut noch eine Vorrichtung,
durch welche der Lichtreiz gemäfsigt werden kann, ohne das Sehen unmöglich zn machen,
da dadurch das Auge nicht völlig verschlossen wird. Die Vögel und unter den Reptilien
die Crocodile und Schildkröten haben in diesem dritten Augenlied noch eine vollkommnere
Einrichtung, da die Blinzhaut eine gewisse Durchsichtigkeit besitzt, und mittelst ihrer das
Sehen in die Sonne möglich ist. Auch in den Eidechsen und Fröschen, so wie unter den
Fischen beim schwimmenden Kopf können die Augen durch eine besondere Anordnung
bedeckt werden.

Wenn unsere Ansicht über die Natur des gelben Flecks die richtige ist, so haben
wir nicht nöthig, nach dem Nutzen desselben zu fragen, v. Ammon hat ihm gar zu ver-
schiedenartige Zwecke zuzuschreiben gesucht, die durch Stark als hypothetische und
nicht durch triftige Gründe unterstützte Meinungen mit Recht verworfen wurden. Der
gelbe Fleck ist unserer Ueberzeugung gemäfs das Produkt der starken Einwirkung
der Lichtstrahlen auf die Gebilde im Innern des Augapfels bei der parallelen Lage der
Augenachsen, dem Betrachten eines Gegenstandes mit beiden Augen zugleich und der
besonderen Richtung derselben bei dem aufrechten Gange.

Inder Mitte des gelben Flecks nimmt man ein kleines Loch wahr, auf das, wie
bekannt, zuerst Sömmerring aufmerksam gemacht hat. Ausgezeichnete Autoritäten,
Cuvier 15), Boyer 16), Meckel 17)> Rudolphi 18), Rosas 19), Ammon 20) haben die
Esdstenz dieser Oeffnung geläugnet und sie für eine künstliche erklärt, welche durch
die Präparation leicht erzeugt werde, weil an diese? Stelle die Retina dünner als sonst sey..

15) Vorlesungen über vergleichende Anatomie, übersetzt vonF«. Meckeh. B. II. S. 410.

16) Traite" dlanatomio. vol. IV. 115.

17) Handb. der Anatomie. B. IV. S. 95..

18) Physiologie. B. IL S. 176.

19) A. a. O. B. I. S. 210:

20) De macula lutea, p* 1. Spätere von Ammon angestellte Untersuchungen belehrten ihn, dafa das
foramen centrale nicht immer ein Kunstprodukt, sondern in seltenen Fällen ein wahres Loch sey; denn er
fand zweimal hinter einander ein- deutliches Loch mit wulstigen Bändern; aber die Augen beider- Personen
waren krank, und in vielen anderen Augen sah er es nie wieder. (Zeitschriftfür Ophthalmologie. H. 1. S. 114.
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