Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 89
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Hildebiiandt 21) hat das Loch für eine Vertiefung in der Mitte des gelben Flecks
gehalten. — Längere Zeit zweifelte ich, nicht allein gestützt auf jene Autoritäten, sondern
auch auf eigene Untersuchungen, an dem Daseyn des Central-Lochs der Markhaut; allein
spätere und auf eine andere Weise angestellte Beobachtungen überzeugten mich, dafs in
sehr vielen Fällen diese OefFnung existirt, und diejenigen sehr Unrecht haben, welche
dieselbe für ein Produkt der Zerlegung erklären. —■ Befreit man unter Wasser die
Retina von der Gefäfshaut an einem frischen Auge mit Vorsicht und läfst alsdann dasselbe
noch einige Zeit darin liegen, bis die plica transversa sich auseinanderlegt und geöffnet
hat; so erkennt man häufig an der bezeichneten Stelle eine kleine mit abgerundetem Rande
versehene Oeffnung, die man nicht wohl für künstlich halten kann, indem auch nirgends
selbst nicht mit bewaffnetem Auge das kleinste Ritzchen wahrzunehmen ist; öfters aber
findet man an dein angegebenen Orte kein wahres Loch, sondern nur eine dünne, wie es
scheint, marklose Stelle der Retina. Auch Stark 22) behauptet gegen jene, dafs er das
foramen centrale mehrmals mit gröfster Bestimmtheit gesehen habe, wo die scharf abge-
schnittenen, wellenförmigen, doch nicht zackigten oder zerrissenen, sondern gleichsam
wulstigen und mit einer saturirten Farbe versehenen Ränder jeden Verdacht einer gewalt-
samen Trennung entfernten. Seiner Ueberzeugung nach ist in vielen Fällen ein wirkliches
Central - Loch vorhanden; in der Mehrzahl aber findet sich anstatt des Lochs eine blos
durchsichtige, marklose, von einer narbenartigen Falte umgebene Stelle.

Durch die Lage des Central-Lochs in der Querfalte der Retina ist es leicht erklärlich
dafs, wenn die Untersuchung von der inneren Fläche aus vorgenommen wird, man sich
nicht durchaus von der Existenz dieser Oeffnung überzeugen kann, Aveil nämlich hierbei
nur durch ein Anziehen die kleine Oeffnung zu Gesicht kommt, und man sich alsdann
selbst mit der Einwendung entgegenkommen mufs, es könnte wohl eine Zerreifsung einer
dünnen Stelle der Netzhaut statt gehabt haben , wenn gleich die Regelmäfsigkeit in der
Form der OefFnung dagegen spricht. Die einfachste und sicherste Methode, das foramen
centrale aufzufinden und unversehrt zu erhalten, ist ohne Zweifel die, dafs man die
Markhaut in ihrem Zusammenhang mit Linse und Glaskörper darstellt und einige Zeit in
Wasser liegen läfst, bis sich die Falte, in der das Loch sich findet, aufthut. Ich bin
überzeugt, dafs ein Jeder, welcher an die Existenz dieser OefFnung nicht glaubt sich
auf diesem Wege bald von der Wahrheit der SöaoiEimiNG'schen Angabe überzeugen wird

Da ich das Central-Loch der Markhaut so oft sah, häufig aber auch vermifste so
forschte ich, wie natürlich, nach dem Grund dieser Verschiedenheit, und fand dafs
sich ein foramen centrale retinae beim Fötus und neugebornen Kind stets vorfindet bei

21) Handbuch der Anatomie, B. 3. S. 97.

22) A. a. O. S. 18.

F. Arnold, Anat. u. physiol. Untersuchungen. 12
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