Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

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jugendlichen Subjecten dasselbe nur selten fehlt, bei alten Leuten aber in der Regel
nicht existirt, sondern die Retina sich hier durch eine dünne marklose Stelle auszeichnet.
Im un- und neugebornen Kinde ist das Central-Loch meistens grofs und die Querfalte
sehr entwickelt, in jungen Personen ist es zwar kleiner, aber doch gewöhnlich wegen
seines abgerundeten Randes deutlich zu erkennen. Das Vorhandenseyn dieses Lochs in
der Jugend, der Mangel desselben im höhern Alter bedingt eine bemerkenswerthe
periodische Verschiedenheit des Sehorgans.

Ueber den Nutzen des Central-Lochs der Markhaut hat man verschiedene Ansichten
ausgesprochen. Home glaubt, es sey zum Durchtritt eines lymphatischen Gefäfses
bestimmt; Wantzel läfst sogar die arteria centralis retinae hindurchgehen. Den meisten
Beifall fand die Meinung von Blumenbach ~3), dafs der Nachtheil eines allzuhellen und
blendenden Lichtes, welches besonders beim Menschen und denjenigen Thieren, deren
Augenachsen parallel laufen, statt hat, durch das foramen centrale gehoben oder doch
gemindert werde, wenn diejenige Stelle der Retina, auf welche der focus principalis
fällt, sich im blendenden Lichte wie zu einer kleinen Pupille erweitern und den concen-
trirten Lichtkegel durch dieselbe hindurch und auf die dahinter liegende Chorioidea fallen
lassen kann, deren Pigment dieses Licht absorbirt, eine Einrichtung, die den Menschen
und Affen wohl um so mehr zu statten kommt, da ihren Augen auch bekanntlich die
Bliuzhaut abgeht. — Hiergegen müssen wir aber bemerken, dafs die Markhaut, so viel
man weifs, kein solches Vermögen besitzt, sich an irgend einer Steile zu contrahiren
und expandiren; ja dafs selbst eine solche Annahme als eine unwahrscheinliche angesehen
werden mufs, weil man auch an der Markmasse des Gehirns keine ihr eigenthümlichen
Zusammenziehungen wahrgenommen hat.

Die oben angegebenen periodischen Verschiedenheiten des Central-Lochs der Mark-
haut, so wie eigene Untersuchungen über die Bildungsweise des Augapfels bestimmen mich,
der Ansicht vonHcscHKE 24) beizutreten, dafs die Entstehung dieser Oeffnung aus der eigen-
thümlichen Metamorphose des menschlichen Auges abzuleiten und dieselbe nur für ein
Ueberbleibsel der in früherer Zeit vorhandenen Spaltung der Netzhaut anzusehen sey.
Unerklärlich bleibt es mir aber, warum beim Menschen noch in der Jugend das foramen
centrale vorkommt und nicht schon früher verschwindet, wie bei den meisten Säugethieren.
Es ist durch Huschke wohl die Bedeutung des Central-Lochs in gewisser Hinsicht gefunden,
aber die Ursache der längeren Existenz desselben beim Menschen und den Affen nicht
nachgewiesen. Sollte vielleicht der Grund in denselben Momenten liegen, welche die
Bildung des gelben Flecks bedingen? Man könnte annehmen, dafs durch die starke

23) Handbuch der vergleichenden Anatomie. S. 40T. ff.

24) De pectinis in oculo avium potestate. p. 12.
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