Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 100
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0108
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
100

sondern am äufseren Umfang desselben sich nach innen, d. i. gegen den Glaskörper
um- oder zurückschlage. — Dadurch, dafs Rxjdolphi, Döllinger , Weber und Andere
den auf dem Strahlenblättchen liegenden Theil der Markhaut nicht kannten, und den-
selben immer oder wenigstens in den meisten Fällen mituntersuchten, wurden sie zu
der irrigen Behauptung bestimmt, dafs das Strahlenblättchen ein eigentümliches und
selbstständiges Gebilde sey, das dem Glaskörper durchaus nicht angehöre. Nur der,
welcher das nahe Verhältnis und die innige Verbindung beider Theile berücksichtigt,
kann sich überzeugen, dafs jene Männer in einen Irrthum verfallen sind, und die von
ihnen angegebenen, dem ersten Anschein nach sehr haltbaren Gründe nichts für die be-
sondere und von der Glashaut durchaus verschiedene Organisation des Strahlenblättchens
beweisen.

Die Punkte, welche Rxjdolphi 7) als Beweise für seine Ansicht und gegen die Meinung,
das Strahlenblättchen sey ein Theil der Glashaut, anführt, sind folgende: 1) Die
Zonula ist dicker als die Glashaut selbst, von der sie doch nur eine Lamelle seyn soll.
2) Wenn das Auge in Weingeist gelegt wird, verliert gleich die Zonula ihre Durch-
sichtigkeit, die Glashaut aber nicht. 3) Die Zonula hängt deutlich mit der Retina
zusammen. 4) Sie kann von der Glashaut, ohne diese zu verletzen, getrennt werden,
wo sie aus ihr entspringen soll. 5) In einigen Thieren, besonders Vögeln, steht der
hintere Rand der Zonula, wo er sich mit der Netzhaut verbindet, über der Glashaut
hervor. Döllin-ger s) macht zur Darlegung derselben Ansicht andere und ähnliche
Beweise geltend: 1) Die Glashaut ist so dünn, dafs .man sie nicht in zwei Lamellen
trennen kann. 2) Die Ciliar-Krone hat eine ganz andere Structur als die Hyaloidea;
denn jene besteht aus dünnen und strahlenförmig verlaufenden Faserbündeln, diese aber,
hat keinen fibrösen Bau. 3) Die Hyaloidea ist an dem hinteren Umfang der Linse
nicht dünner als an anderen Stellen, was doch erfolgen müfste, wenn eine Theilung
statt hätte. 4) Das Ende der Nervenhaut liegt zwischen dem Glaskörper und der
Ciliar-Krone, so dafs diese keine Verbindung mit der Glashaut haben kann. Zu diesen
Beweisen fügt Weber 9) endlich noch eine pathologische Beobachtung, welche die ab-
norme Bildung des Strahlenblättchens bei vollkommen normaler Bildung der membrana
hyaloidea, des Glaskörpers, der Linsenkapsel und der Linse selbst, so wie auch der
Nervenhaut betrifft, und die er als entscheidend für die Selbstständigkeit des Strahlen-
blättchens betrachtet. Weber beobachtete nämlich in beiden Augen eines 10 —12
Wochen alten Kindes, welche 24 Stunden nach dem Tode, ohne dafs sie in Wasser,

7) Anatomisch-physiologische Abhandlungen. S. 18.

8) Illustraüo ichnographica fahricac oculi 1mm. Wircoburgi, 1817. p. 15.
<)) A. a. Ö. S. 13.
loading ...