Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 102
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einander vollkommen entsprechen, so kann man auch an diesem wie an jenem zwei
Theile, einen äufseren hinteren und einen inneren, um die Linsenkapsel gelegenen,
unterscheiden. Ersterer besitzt nur sehr unbedeutende Falten oder zeigt wie der äufsere
Theil des corpus ciliare gar keine; letzterer aber bildet zahlreiche Fortsätze, welche
nichts anderes als Duplicaturen des Strahlenblättchens sind, in die Vertiefungen des
Ciliar - Körpers eingreifen und mit ihren Spitzen sich an dem Umfang der vorderen
Hälfte der Linsenkapsel anlegen. Die Furchen des Strahlenblättchens nehmen die
Fortsätze des Strahlenkörpers auf und so geschieht eine innige Verbindung beider
Gebilde. Da wo der gefaltete Theil der Ciliar-Krone beginnt, löst sich von der
hinteren Fläche derselben ein Blättchen der Glashaut los, setzt sich an dem Umfang
der hinteren Wand der Krystallkapsel an und überzieht dieselbe, mit ihr im frischen
Zustande genau zusammenhängend; die Ciliar-Krone selbst aber geht zur vorderen
Kapselhälfte, inserirt sich fest an dieser hinter den frei aufliegenden Spitzen des Strahlen-
blättchens und bekleidet die vordere Fläche der Linsenkapsel, sehr innig mit ihr
verbunden. — Dadurch entsteht ein dreieckiger Raum, welcher kreisförmig um den Rand
der Linsenkapsel läuft und nach seinem Entdecker canalis Petitianus genannt wird.
Die Basis desselben wird durch den gröfsten Umfang der vorderen Hälfte der Linsen-
kapsel , die vordere Wand durch den gefalteten Theil der Ciliar - Krone und die hintere
durch jenes Blättchen der Glashaut gebildet. Dieser Kanal hat also nicht die Breite
des ganzen Strahlenblättchens oder des Strahlenkörpers, sondern er entspricht in
dieser Hinsicht dem Umfang der Ciliar-Fortsätze. Der PETiT'sche Kanal ist überall
geschlossen, steht weder mit der Höhle der Linsenkapsel noch mit den Zellen des
Glaskörpers durch Oeffnungen in Zusammenhang. Durch Einblasen von Luft konnte
ich nur diesen Kanal, nie aber eins von jenen beiden füllen.

Dafs das Strahlenblättchen über die Linsenkapsel sich fortsetze und die vordere
Wand derselben auch durch dieses gebildet werde, behaupten Winslow, Bauens und
vermuthen Sabatieu, Rudolphi, H. Cloquet. Erstere konnten an den Augen von
gröfseren Thieren, von Pferden und Ochsen, die vordere Hälfte der Kapsel in zwei
Lamellen trennen; letztere nehmen es als wahrscheinlich an, weil diese dicker ist als
die hintere Wand. Auch ich habe sehr oft an den Augen von gröfseren Thieren und
von Menschen die Fortsetzung der Ciliar-Krone über die Krysallkapsel gesehen und
beide zum Theil von einander getrennt, so dafs ich nicht anstehe, die Beobachtungen
von WrasiiOw und Bauens für wahr und richtig zu erklären. — Demnach liegt die
Linse mit ihrer Kapsel in einer besonderen Zelle des Glaskörpers, die aber in ihrer
Form durchaus verschieden ist von den übrigen Räumen desselben. Der Krystall im
Auge bestimmt aber nicht allein die Gestalt jener am meisten nach vorn gelegenen
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