Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 103
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Höhle des corpus vitreum, sondern nach ihm richten sich auch, wie wir sahen die
Formen aller übrigen Zellen dieses Gebildes.

Um die Structur des Strahlenblättchens zu erkennen, reicht die Betrachtung
desselben mit blosem Auge nicht hin, sondern man mufs das Mikroskop zu Hülfe
nehmen, es mit Weingeist, Säuren, Sublimat u. s. w. behandeln. Zu Erforschung der,
Natur der Ciliar-Krone haben Petit, Camper und Zinn die Schärfe des Auges
. benutzt, sind aber dadurch zu keinem besonderen Resultate gelangt, nur Camper spricht
die Vermuthung aus, die Fasern derselben seyen musculöser Natur. Rddoivphi, Dölianger,
Weber wendeten Weingeist, Sublimat und Säuren an und liefsen sich durch die Ver-
änderungen, welche hierbei das Strahlenblättchen zeigte, zur Behauptung bestimmen,
es sey dasselbe von eigentümlicher Natur und ganz verschieden von der Glashaut.
Schon oben haben wir darauf aufmerksam gemacht, dafs der Ciliar-Theil der Retina
durch Liegenlassen in Wasser vollkommen von der Ciliar-Krone entfernt werden müsse,
wenn man zuverlässige Schlüsse aus solchen Beobachtungen ziehen wolle. Jene Männer
sind dadurch irregeleitet worden, dafs sie den Ciliar-Theil der Retina mit dem Glas-
körper in genannte Flüssigkeiten brachten ; denn in diesem Fall sind natürlich die Er-
scheinungen, welche durch dieselben bewirkt werden, ganz andere, als wenn man zuvor
jenen Theil von der Ciliar-Krone auf die angegebene Weise löst. Das Strahlenblättchen
ohne Ciliar-Theil der Markhaut erfährt durch jene Flüssigkeiten, wie ich diefs,
oft wiederholten Versuchen zufolge, versichern kann, ganz dieselben Veränderungen,
wie die Glashaut. In Weingeist trübt es sich nicht sogleich, sondern erst, nachdem
es einige Zeit darin gelegen ist; durch Sublimatauflösung und Säuren wird es nicht
bälder undurchsichtig als die Hyaloidea. Untersucht man das Strahlenblättchen nebst
dem auf ihm liegenden Theil der Markhaut mit unbewaffnetem oder nur schwach
bewaffnetem Auge, so erscheint dasselbe als ein graulich - weifser, wenig durch-
sichtiger und am Rande schwach ausgezackter Ring; nimmt man das Mikroskop zu
Hülfe, so stellt es sich uns als eine kugelige, markartige Substanz dar, unter der man
eine strahlenförmige Anordnung wahrnimmt. Ganz so schildert Weber die abnorme-
Bildung der Zonula, und ich möchte glauben, dafs das, was er gesehen hat, eine voll-
kommen normale Bildung, der Ciliar-Theil der Retina, war. Diesen vermeintlich-
pathologischen Zustand des Strahlenblättchens, wie ihn Weber angibt, habe ich sehr
oft beobachtet, und ihn kann ein Jeder sehen, dem es glückt, jenen Theil, so viel als
möglich, vollkommen darzustellen.

Bärens und Leiblein halten die Zonula für eine einfache Schichte verdickten Zell-
gewebes , das an verschiedenen Stellen seine Natur ändert, bald serös, bald faserig, bald
mehr zellig ist. Letzterer vermuthet, dafs sie Gefäfse besitze, da er bei Pferden und
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