Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 106
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mitgetheilt, in eleu Strahlenfortsätzen Contractionen und Expansionen und dadurch
Bewegungen der Regenbogenhaut bewirken; denn welche Veränderungen sollen in der
Markhaut hierbei statt haben? wie kann das Strahlenblättchen als seröse Membran
und da es durch Nervensubstanz von dem Strahlenkörper getrennt ist, gewisse Zustände
jener diesem Gebilde mittheilen?

Da der Krystallkörper gleichsam in der vordersten Zelle des Glaskörpers ruht, so
wird er auch durch diesen in seiner normalen Lage erhalten. Das corpus vitreum aber
selbst ist durch die Zonula mit dem Ciliar - Körper und der Nervenhaut verbunden.
Chorioidea, Retina und Hyaloidea liegen in der gröfseren hinteren Partie des Augapfels
blos aufeinander, ohne, die Central - Gefäfse ausgenommen, durch Arterien, Venen oder
durch andere Mittel in einem innigen gegenseitigen Zusammenhang zu stehen. Diese*
drei Häute sind dagegen in dem Umfang der Linse auf die oben angegebene Weise so
innig und fest mit einander verbunden, dafs sie im lebenden Auge in ihrer relativen
Lage unverrückt bleiben müssen. Zu diesem Behufe ist das Strahlenblättchen dicker
als der übrige Theil der Glashaut, und daher zeichnet es sich vor diesem durch seine
besondere Form und Anordnung aus.

Der PnTiTSche Kanal enthält, wie die Zellen des Glaskörpers, im lebenden Auge
wahrscheinlich etwas Flüssigkeit, durch ihn werden die Veränderungen, welche die Linse
in ihrer Lage beim Nah- und Fernsehen erfährt, möglich gemacht und begünstigt,
Diesen Zweck des pETix'schen Kanals erkannten schon mehrere Physiologen und be-
zeichneten ihn defswegen als einen um die Linsenkapsel gelegenen Raum, welcher die
Bewegungen des Krystallkörpers, sein Vor- und Rückwärtstreten gestatte.

Die Behauptung mehrerer Zergliederer16), dafs der Glaskörper keine Blutgefäfse
besitze, ist eben so falsch als die Angabe von Hovros, derselbe sey ein rein vasculöses
Gewebe. — Der Glaskörper erhält seine Arterien von der Central-Schlagader und sendet
seine Venen in die vena centralis retinae. Einige Anatomen, Morgagni, Lobe, Bertrand,
Janin nehmen an, dafs von der Retina und zum Theil selbst von der Chorioidea Gefäfse
zum Glaskörper gehen. Winslow sah Blutgefäfse des Glaskörpers in Fötus-Augen,
die injicirt waren; Albin beobachtete im Auge des Wallfisches Gefäfse von den Ciliar-
Fortsätzen zum corpus vitreum; Zinn bemerkte in neugebornen Hunden, deren Augen-
lieder noch verbunden waren, zahlreiche sehr feine Blutgefäfse, die sich sowohl auf
der Oberfläche des Glaskörpers verbreiteten, als auch mitten durch denselben zu dessen
Zellen und zur Linsenkapsel gingen; Haller, Sabatier, Walter und viele Andere
fanden Zweige von der arteria centralis retinae zum Glaskörper, und stellten sie zum
Theil durch sehr gelungene Injectionen dar.

16) Unter den Aelteren Ruyscii (epist 13. p. 10), und unter den Neueren Ribes (Mecxel's Archiv IV, 628).
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