Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 107
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Die Blutgefäße des Glaskörpers sah ich sehr häufig in den Augen vom Menschen
und von Thieren aus verschiedenen Perioden des Fötal - Lebens. Betrachtet man den
schon vollkommen durchsichtigen Glaskörper eines Fötus aus dem 3ten, 4ten oder 5ten
Monat, so bemerkt man mit blosera Auge in demselben hie und da rothe Punkte; mit
Hülfe einer Lupe erkennt man zahlreiche, sehr feine Gefäfse und unter dem Mikroskop
nimmt man nicht allein diese, sondern auch in denselben eine Menge von gefärbten und
farblosen Blutkügelchen wahr. Die Blutgefäfse des Glaskörpers verbreiten sich auf der
Oberfläche desselben in einem feinen und zarten Zellgewebe, das diesen überzieht, bilden
mit einander Netze, wie sie in der 5. und 6. Figur der zweiten Tafel dargestellt sind
und" sammeln sich nach vorn um die Linsenkapsel herum in einem Kreis, aus dem
wieder Gefäfse zur vorderen Fläche der Kapsel hervortreten. Die Blutgefäfse des
Glaskörpers scheinen keine Zweige in die Glashaut zu senden, sondern eine in gewissem
Grade für sich bestehende, gefäfsreiche, zelJgewebige Membran zu bilden, welche die
Hyaloidea umgibt, fest auf ihr liegt, ohne mit ihr durch Gefäfszweige verbunden zu
seyn; denn öfters glückte es mir, die Gefäfse von der Glashaut loszulösen, ohne das
corpus vitreum selbst zu beeinträchtigen. — Die Gefäfse sind in den ersten Monaten des
Fötal-Lebens so weit und zahlreich, dafs das Innere des Auges röthlich erscheint; später
nehmen sie in beiden Verhältnissen ab und können beim nengebornen Kinde nur durch die
feinste und glücklichste Injectiou sichtbar gemacht werden. An den Glaskörpern von Er-
wachsenen sah ich einigemal bei mittelmäfsiger Vergröfserung mehrere enge farblose
Kanäle auf der Oberfläche desselben, die in der Art des Verlaufs und der gegenseitigen
Verbindung den Charakter von Blutgefäfsen hatten , in denen man aber keine Kügelchen
wahrnehmen konnte. — Von der Anordnung der Gefäfse des Glaskörpers verschafft
man sich das beste und schönste Bild, wenn man diesen Theil des Auges mit der Linse
vom Fötus aus den angegebenen Monaten unter das Mikroskop bringt.

Der Stoffwechsel im Glaskörper, die Absonderung der Glasfeuchtigkeit ist gebunden
an die Existenz der Blutgefäfse und abhängig von dem Vorhandenseyn lymphatischer
Kanäle, welche höchst wahrscheinlich in die Bildung der Glashaut eingehen. Letztere
nimmt, wie mir scheint, durch diese Lymphgefäfse den wässerigen Theil des Bluts aus
dem Gefäfsnetz auf, welches den Glaskörper bedeckt und setzt alsdann denselben in die
Zellen oder Räume ab , welche sie im Innern erzeugt. Vielleicht dafs gröfsere Saugader-
stämme im canalis hyaloideus liegen, welche gewisse Stoffe aus dem corpus vitreum
zurückführen, damit so nicht blos die normale Secretion, sondern auch die Resorption
der Glasfeuchtigkeit zu Stande gebracht, und der Glaskörper in seiner Integrität in
seinen Form- und Mischungsverhältnissen erhalten wird. — Ribes 17) glaubt dafs die

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IT) Meckel's Archiv IV, 622 ff.
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