Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 115
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überhaupt zu thun; so kann es dem Anatomen nur von grofsem Werth und hohem
Interesse seyn, wenn er durch gründliches Forschen sich eine umfassende Kenntnifs
von der Eigentümlichkeit der einzelnen Theile des Auges erwirbt; denn auf diesem
Wege mufs er zu schönen und werthvollen Resultaten über die Natur der Gebilde des
Köriiers überhaupt, gelangen.

Da die Gefäfse an der hinteren Fläche der Linsenkapsel weit reicher sind als an
der vorderen, so mufs auch jene in einer näheren Beziehung zur Ernährung der Linse
stehen als diese. Dieterich's 8) Versuche an Thieraugen über die Verwundungen der
Hemisphären der Linsenkapsel bestätigen diesen Satz, denn es verursachten selbst be-
deutendere Verletzungen der vorderen Kapselhälfte, wenn sie sonst mit keiner Erschütterung
oder Zerreifsung verbunden waren, nicht die mindeste Störung des Normal-Zustandes der
Linse, ja es erfolgte in den meisten Fällen nicht einmal eine cataractöse Trübung der
verletzten Kapselhälfte. Einfache, zumal querlaufende Schnittwunden derselben heilten
gewöhnlich bald und vollkommen, mit Zurücklassung höchst unbedeutender Narben. —
Dafs der vordere Abschnitt der Linsenkapsel demungeachtet einigen Einflufs auf die Er-
nährung der Linse hat, kann nicht geleugnet werden; denn in Fällen von unbedeutenden
Verwundungen desselben beobachtete man beim Memschen eine cataractöse Trübung oder
einen wirklichen Kapselstaar9). — Verwundungen der hinteren Kapsel dagegen durch
Schnitte verursachten in der Regel, zufolge der Versuche von Dieterich 10), Linsenstaar
obgleich einfaches Anstechen derselben in den meisten Fällen keine Verdunklung der
Linse bewirkte. Uebrigens ist, wie aus diesen Versuchen hervorgeht, die hintere Kapsel
eben so wenig vulnerabel als die vordere; denn bei 19 Versuchen zur Hervorbringung
eines hinteren Kapselstaars sah Dieteiuch nie einen trüben Fleck.

Die bisherigen Untersuchungen über die Linse (lens crystallina) haben uns eine
genaue und richtige Kenntnifs von der verschiedenen Form derselben beim Menschen und
bei verschiedenen Thieren verschafft; besonders aber verdanken wir den Bemühungen von
Petit, Cuvier, Sömmerring, dem Sohn, und von G.R.Treviranus wichtige Erfahrungen
über den Abstand der Linse von der Retina, über die Gröfse des Halbmessers der vorderen
uud hinteren Fläche derselben, so wie der übrigen äufseren Verhältnisse des Krystalls

Ein Gleiches können wir leider nicht von dem Bau dieses höchst wichtigen Oreans
rühmen; denn hierüber sind die Anatomen sehr getheilter Ansicht. Die Einen nehmen

8) Ucber die Verwundungen des Linscnsystems. S. 28 ff.

9) H08A8 Augenheilkunde. B. I, S. 234.

10) A. a. O. S. 46 ff.
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