Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 118
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Gefäfse wahr, die er für feine lymphatische Kanälchen hält und läfst ein jedes Schüppchen
aus einer unzählbaren Menge derselben bestehen. Der Charakter derselben ist zufolge
der deutlichsten Darstellung , welche Mascagni hiervon gegeben hat, ein ähnlicher wie
der der Lymphgefäfse in der Hornhaut.

Ev. Home l6) untersuchte mit Bauers Hülfe einzelne Lamellen der Linse unter
dein Mikroskop bei starker Vergrößerung (100 u. 400 Mal im Durchmesser) und be-
merkt darüber: The fibres of the lens have the appearance of hairs like those formed
in spun glass.

Da der faserige blätterige Bau der Linse durch sehr verschiedenartige Mittel,
heifses Wasser, Sublimatauflösung, Weingeist und Säuren sichtbar gemacht werden kann,
so nehmen die meisten Anatomen neuerer Zeit an, dafs er durch die Anwendung der
Mittel nicht erst entstehe, sondern dafs die Lagen und Fasern ursprünglich vorhanden
seyen. An der Existenz der Blätter in der Linse zweifeln nur Wenige, dagegen aber
gibt es Mehrere und unter diesen namentlich Bärens 17), die behaupten, dafs die fibröse
Structur nicht ursprünglich existire, weil erstens die Linse durch Wasser fast ganz auf-
gelöst werde, zweitens man sie nicht in ganz frischen Linsen sehe und drittens das
Zerplatzen in die sogenannten primitiven Segmente und Fasern erst durch den Tod oder
eine gewisse Behandlung, z. B. durch Weingeist, Wärme, Säuren, Kochen erzeugt
werde. Hierdurch würden die einzelnen zusammenhängenden Schichten eines Theils
ihrer Elasticität, durch welche sie ausgespannt seyen, beraubt; daher die Linse besonders
gern an den Polen, zumal an den hinteren zerplatze, weil hier die Blätter näher auf-
einanderliegen.

Auch Berzelius hält die faserig - blätterige Beschaffenheit der Linse nicht für
natürlich, soudern für zufällig und erklärt sie für eine Folge der Einwirkung von
Säuren; dagegen nimmt er, auf seine Analyse sich stützend, an, die Linse besitze ein
zelliges Gefüge und diese Zellen seyen mit einer besonderen Materie angefüllt.

Es ist nicht zu leugnen, dafs all diese Gründe gegen die ursprüngliche Existenz
der Fasern in der Linse sehr haltbar sind und die so allgemein angenommene Meinung
von dem faserig-blätterigen Bau des Krystalls im Auge sehr wenig für sich hat, be-
sonders wenn man sich noch die Frage zu bedenken gibt, welcher Natur sollen diese
Fibern seyn ? Als Fleischfasern dürfen sie schon aus dem einfachen Grunde nicht be-
trachtet werden, weil diese in Wasser sich nicht auflösen. Eben so wenig können sie
für Sehnen- oder Zellfasern gelten, oder als solche Fibern angesehen werden, wie wir
sie in Gebilden, die ganz oder gröfstentheils aus Homgewebe bestehen, finden; denn

16) Philosophical transact. 1822. p. 79.

17) A. a. 0. §. 24.
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