Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 119
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0127
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
119

auch diese sind in Wasser unauflöslich. — Die von Leeuwenhoek , Young und Ev. Home
unter dem Mikroskop augestellten Untersuchungen geben gleichfalls keine Beweise für
das Vorhandenseyn von Fasern ab, da diese offenbar nicht mit der nöthigeu Umsicht
vorgenommen wurden, und gegen sie defswegen viele und begründete Zweifel erhoben
werden können.

Ich stellte daher, um den Bau des Krystallkörpers wo möglich besser zu erkennen
als es meinen Vorfahren geglückt war, vielfache Versuche mit dem Mikroskop an. Im
Anfang legte ich einzelne Schichten von der ganz frischen Linse unter dasselbe und
erkannte hier sogleich zahlreiche hebeneinanderliegende Fasern, welche sich gegen die
Achse der Linse hin umbogen und in andere übergingen. Ich sah hier so ziemlich

dasselbe, was Leeuwenhoek gefunden und in verschiedenen Figuren abgebildet hat. __

Da es jedoch hierbei nie möglich war, über die Natur dieser Fasern mir Aufhellung
zu verschaffen, weil die einzelnen Schüppchen nicht dünn und fein genug waren, um
sie stärkerer Vergröfserung zu unterwerfen, und sie nebenbei auch zu viel Glanz hatten,
was bei mikroskopischen Untersuchungen immer sehr störend ist; so legte ich die
Linse zuerst kurze Zeit in verdünnten Alkohol und suchte alsdann die Blättchen
so fein als möglich darzustellen. Hier sah ich nun schon bei schwächeren Ver-
gröfserungen einen ganz merkwürdigen und eigenthümlichen Bau: Zahlreiche, neben-
einanderliegende Kanäle, die vielfach in einander übergingen und noch durch quer und
schieflaufende Kanälchen mit einander verbunden waren, stellten sich mir in diesen
höchst feinen und zarten Schüppchen dar. Noch deutlicher erkannte ich diese wunder-
würdige Anordnung bei 200 und 250maliger Vergröfserung, so wie mit Hülfe eines
sehr vorzüglichen Mikroskops von Plösl, welches sich in dem hiesigen physikalischen
Cabinet befindet und dessen Benutzung mir durch die Güte des Herrn Hofraths Muncke
gestattet war Dadurch wurde ich in den Stand gesetzt, mich über die Anordnung
dieser Kanäle, ihren Verlauf und ihre gegenseitige Verbindung hinlänglich zu unter-
richten. Die letzte Figur der zweiten Tafel enthält zwei Darstellungen, von denen die
eine (a) bei 250 maliger, die andere (b) bei 550 maliger Vergröfserung im Durchmesser
unter dem genannten Mikroskop ganz treu und pünktlich gegeben wurde. Man sieht
hier denselben Charakter der Kanälchen, wie bei den schwächeren Vergröfserungen
nur bestimmter, zum Beurtheilen mehr geeignet und überzeugender. — Vergleicht man
den Durchmesser dieser Kanäle mit den angewandten Vergröfserungen und berücksichtigt
dabei noch ihre Zahl, so mufs man sowohl über die Feinheit derselben als deren Menge
erstaunen. Damit der Krystall im Auge seine vollkommene Durchsichtigkeit behält ist
es nothwentlig, dafs die Kanälchen, welche die Stoffe zur Ernährung aufnehmen und den
Wechsel der Materie bedingen, aufserordentlich eng und nur zur Aufnahme einer ganz
loading ...