Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 121
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gefärbte Flüssigkeiten, schwache rothe Tinte, Safrantinctur u. s. W., mit denen sie sich
schnell tränkten. Schon der Umstand, dafs frische Krystalllinsen sehr bald von solchen
Flüssigkeiten durchdrungen werden oder vielleicht richtiger dieselben in sich aufnehmen,
möchte für die Annahme sprechen, dafs die Linse aus Kanälen besteht, denen, wie
den Saugadern, ein Resorptionsvermögen in hohem Grade zukommt. Noch mehr aber
werden wir für diese Ansicht eingenommen, wenn wir in denselben die färbenden Po-
tenzen wahrnehmen. In den Schüppchen von Linsen, die in solche Flüssigkeiten gelegt
wurden, sah ich sehr häufig gerade in den angenommenen Kanälen die Farbe deutlich
und lebhaft, dagegen in den Zwischenräumen der Kanäle weniger. Oefters aber waren
ganze Schüppchen so mit Farbe gedrängt, dafs ich die Existenz von Kanälen nicht
mit überzeugender Gewifsheit, auf diese Versuche bauend, so sprechend sie vielleicht
auch für Manche seyn mögen, zugeben wollte; denn ich glaube mich mit Recht zu
den gröfsten Zweiflern, besonders bei eigenen und neuen Beobachtungen, die sich mir
bieten, zählen zu dürfen, und nicht eher spreche ich eine Sache als gewifs aus, als
bis ich selbst vollkommen von der Richtigkeit derselben überzeugt bin.

Sehr erfreulich war es mir daher, als ich zum ersten Mal die frische Linse von
einem Fötus aus der achten Woche unter dem Mikroskop betrachtete und an derselben
ganz besonders deutlich, ja, ich möchte sagen, sprechend den Charakter der Kanäle
erkannte, die ich früher an einzelnen Schüppchen oder Blättchen bemerkt hatte. Die
Art ihres Verlaufs, die Weise ihrer zahlreichen Verbindungen, die Netze, welche sie
mit einander bildeten, die siuuösen Ausbeugungen, welche sie so bestimmt erkennen
liefsen, der Wirbel, zu dem sie sich in dem Centrum mit einander vereinigten, kurz
der ganze, höchst erstaunenswürdige Anblick überzeugte mich völlig und iiefs mir keine
ferneren Zweifel, dafs die Linse aus einer grofsen Menge von Kanälen zusammengesetzt
ist, welche mit Lymphgefäfsen eine nicht zu verkennende Aehnlichkeit haben. Spätere
Untersuchungen , die an den Linsen vom Fötus aus verschiedenen Monaten sehr häufig
vorgenommen wurden, gaben mir stets dasselbe Resultat, und endlich glückte es mir
auch an den ganz frischen Linsen von Erwachsenen die Gefäfse deutlich zu erkennen
obgleich es hier wegen der Masse der Linse und der gelblichen Farbe, die sie so häufur
besitzt, immer schwieriger ist als bei neu- und ungebornen Kindern.

Schon früher, als ich sehr dünne Blättchen der Linse mit dem Vergröfsernngsffla
untersuchte, fiel es mir auf, dafs die Gefäfse, welche ich hierbei sah, so grofse Ueber
einstimmung mit den Saugadern des Zwerchfells darbieten. Nach Fohmann's Iniectionen
verlaufen hier die Saugadern zwischen den Muskelfasern so ziemlich parallel neben
einander, gehen vielfach in einander über und sind durch zahlreiche feinere Zwischen-
gefäfse miteinander verbunden. Vergleicht man die Abbildungen, welche Fohmann hierüber
F. Abnoid , Anat. u. physiol. Untersuchungen. , 16

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