Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 122
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geben wird, mit den Darstellungen Fig. 811, 9., so wird man gewifs nicht die grofse
Aehnlichkeit in dem Charakter und der Anordnung der Gefäfse des Zwerchfells und der
Linse verkennen. Die Saugadern der Linse, denn als solche mufs ich sie meiner Ueber-
zeugung gemäfs, bezeichnen, unterscheiden sich von den Lymphgefäfsen in den übrigen
Organen durch eine gewisse Regelmäfsigkeit der Anordnung. ■— Legt man eine ganze
Linse unter das Mikroskop, so sieht man sowohl an der vorderen als hinteren Fläche
drei Bögen, welche an dem gröfsten Umfang in einander übergehen und in der Mitte
in den Polen sich vereinigen und gegenseitig sich verbinden, wie man diefs klar aus
der 8ten Figur der zweiten Tafel ersieht. Diese drei Bögen werden durch zahlreiche
Kanäle gebildet, welche nebeneinander verlaufen, sich in der Achse umbiegen und in
eiuander überfliefsen , und von denen die gröfseren die kleineren einschliefsen. Die Linse
ist reich an Saugadern, wie die durchsichtige Haut des Auges; denn so wie diese durch
beträchtliche Saugadernetze gebildet wird, so auch die Linse durch zahlreiche über-
einanderliegende und einander einschliefsende Schichten von Lymphgefäfsen, die vielfach
in einander überfliefsen.

Es ist eine ziemlich allgemein verbreitete Annahme, dafs der Krystallkörper des
Auges aus einer grofsen Menge von dreieckigen Schüppchen bestehe, die sich wie die
Blättchen einer Zwiebel auseinander schälen liefsen. Diese Ansicht gründet sich be-
sonders darauf, dafs in Folge der Maceration und der Anwendung von Säuren gewöhn-
lich drei Risse sich vornen und hinten an den Polen der Linse zeigen, wodurch dieselbe
in eben so viele Dreiecke zerfällt, die sich alsdann wieder in sehr viele einzelne Blättchen
zerlegen lassen. Dieses regelmäfsige Zerfallen in drei Stücke hat die meisten Anatomen
zur Ansicht bestimmt, dafs die dreieckigen Abschnitte, deren Spitzen nach innen und
deren Grundflächen nach aufsen gerichtet sind, ursprünglich seyen. Nur Wenige, unter
den Aelteren Leeuwenhoek und unter den Neueren Bauens , stellen die Behauptung auf,
dafs die Linse nicht aus einzelnen Schüppchen, sondern aus überall geschlossenen häutigen
Kapseln zusammengesetzt sey, von denen die äufsern die innern immer kleiner werden-
den und dichter zusammengedrängten aufnehmen. Bauens18) bemerkt, hierüber: Strata
cum circa totum lentis ambitum continuo digrediuntur, nequaquam squamae sunt putandae,
sed vela constituunt ubique clausa, se invicem conlinentia; magnetudine tantum di versa,
forma sunt aequali, hac omnino capsulae congruunt et tantum a peripheria ad centrum
successive minuuntur. Diese Ansicht bestätigen durchaus meine Untersuchungen; denn
unter dem Mikroskop sah ich, dafs gerade an den Stellen der Linse, wo bei unvor-
sichtigem Herausnehmen, oder bei der Maceration Risse sich zeigen, die Saugadern iu
einander in Gestalt von Bögen übergeben und hierin einem ununterbrochenen Zusammenhang
18) De lcnte crystallina §. 23.
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