Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 128
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trüb werden. Sie tränkt sich mit dieser Flüssigkeit, nimmt die in Folge einer Entzündung
consistenter gewordenen Bestandteile derselben in ihre Substanz auf und wird dadurch
undurchsichtig, weifs und endlich der Sclerotica ähnlich. Entzündung selbst kann man
aber in der Hornhaut mit Grund wohl dann erst annehmen, wenn sich in ihr rothe Gefäfse
gebildet ulcI entwickelt haben. Suffusion der Hornhaut ist demnach ein Vorbote, nicht
ein zuverlässiges Zeichen ihrer Entzündung, gibt aber stets ein sicheres Merkmal ab von
entzündlichen Affectionen des Auges und gewisser Häute desselben, wie zumal der Iris.

So nun möchte ich auch in Bezug auf die Linse glauben, dafs deren Trübung sehr
leicht und häufig erzeugt werden kann durch eine in Folge der Entzündung in den
innersten Theilen des Auges, namentlich der Linsenkapsel, bewirkte vermehrte und ver-
änderte Absonderung der MonGAGNi'schen Feuchtigkeit, aus der die Linse ihre Nahrung
nimmt. Sie wird durch die reicheren Bestandtheile jener Flüssigkeit vollsäftiger, und
nimmt an Umfang zu, noch ehe die graulich - neblichte Trübheit in ihr sich zeigt; da-
her auch öfters Manche ein ungewöhnlich scharfes und helles Gesicht erhalten, Viele
myopisch werden, die diefs weder früher waren, noch vermöge der eigenthümlichen
Bildung und Prominenz der Hornhaut hierzu eine Anlage haben 23). Trübheit und Ver-
dunklung der Linse mufs aber mehr oder weniger bald darauf folgen, je nachdem die
Absonderung der MonGAGNi'schen Feuchtigkeit reicher und die Resorptionsthätigkeit der
Linse lebhafter ist. So wie die Hornhaut, so tränkt sich auch die Linse mit den in
jener Flüssigkeit enthaltenen Stoffen, die sie nicht vermögend ist, auszustofsen. Einen
solchen Zustand der Linse möchte ich aber nicht mit v. Walther. einen entzündlichen
nennen, wenn er gleich als die Folge von entzündlichen Affectionen in der Nähe und
Umgegend des Krystalls auftritt. Entzündung der Substanz der Linse ist sicher eine
seltene Erscheinung, obgleich ihr Vorkommen nicht geleugnet werden kann, da die Be-
obachtungen v. Walther 26) und anderen ausgezeichneten Ophthalmologen Belege genug
hierfür geben.

Die Bildung der Gefäfse in der Substanz der Linse selbst scheint von den Gefäfsen
der Kapsel, besonders deren hinteren Wandung auszugehen; daher sie von hinten nach
vorn, dendritisch sich verzweigend, verlaufen. Dadurch darf man sich aber nicht be-
stimmen lassen zu glauben, wozu • wohl Manche geneigt seyn möchten, dafs vorher
seröse Gefäfse sich hier in rothes Blut führende Gefäfse umgewandelt hätten, somit jene
Arterien schon vor der Entzündung, nur leer von rothem Blut, in der Linse vorhanden
gewesen wären. Die beiden Theile derpleura, d. h. pulmonalis und costalis, findet man
häufig mit einander verwachsen, durch Blutgefäfse und Pseudomembranen verbunden.

25) Weither , a. ;i. O. S. 48.

26) S. 61 ff.
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