Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 133
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und von denen jene die Rinde, diese der Kern der Linse genannt wird. Treviranus 35)
nimmt im Durchschnitt drei an: eine äufsere Schichte, eine mittlere und einen
Kern. — Da die häutigen Kapseln, aus denen die Linse besteht, im äufseren
Umfang weniger dicht aufeinanderliegen, als im Innerri, wo sie sehr zusammengedrängt
sind, so mufs sich natürlich eine Verschiedenheit in der Substanz der Linse rücksicht-
lich der Consistenz, nicht aber der wesentlichen Anordnung der Theile erkennen lassen,
und es ist daher der von den Meisten angenommene Unterschied der Rinde und des
Kerns nicht unpassend. Ob aber, wie Treviranus behauptet, drei Schichten sich mit
Grund in der Linsensubstanz annehmen lassen, will ich nicht bestimmen; wesentlich
scheint mir übrigens eine solche Trennung nicht zu seyn, da die äufsere Schichte
nur allmählig in die -innere übergeht und diese selbst nicht scharf von jener abgegränzt
ist. Das aber glaube ich bestreiten zu müssen, dafs die Lamellen der ersten Schichte
sich an dem vorderen Ende nicht ganz erreichen, sondern hier einen kleinen Raum un-
ausgefüllt lassen, in welchem sich unter der Linsenkapsel eine Flüssigkeit befinde. Weder
beim Menschen noch bei Thieren konnte ich au dem vorderen Linsenpol nach vorsichtiger
Herausnahme des Krystalls aus seiner Kapsel einen nur mit Flüssigkeit ausgefüllten
Raum erkennen. So oft ich die Linse frisch und mit Behutsamkeit untersuchte, sah
ich immer, dafs auch die häutigen Kapseln der äufseren Schichte vollkommen und über-
all^geschlossen waren, nirgends nahm ich eine Lücke oder Unterbrechung wahr.

Das Wichtigste, was aus diesen Untersuchungen hervorgeht, ist, dafs die Linse
eine verschiedene brechende Kraft wegen der verschiedenen Dichtigkeit ihrer Sub-
stanzen hat, obgleich sie von so Vielen für einerlei in allen Theilen der Linse angenommen
wurde. Camper 36) und Porterfielp scheinen zuerst den Einflufs dieser Zusammensetzung
der Linse aus Schichten von verschiedener Dichtigkeit auf das Sehen erwogen zu
haben. Wie Treviranus behauptet, ist die von Porterfxeld vorgetragene Ansicht un-
richtig. Camper aber hat dieselbe Meinung gegeben, welche neuerdings auch von
Treviranus undPouitLET ausgesprochen worden ist, dafs nämlich bei der Zusammensetzung
der Lipse aus Schichten, von gegen das Centrum hin zunehmender Dichtigkeit und
Krümmung, Deutlichkeit des Sehens bei sehr verschiedenen Entfernungen des Objects
vom Auge möglich ist, da die Strahlen eines fernen Punktes schwächer gebrochen werden
müssen, als die, welche von einem näheren kommen, um die Augenachse in einerlei
Punkte zu schneiden, und da jene wegen des beim Sehen in die Ferne erweiterten Zu-
standes der Pupille auch durch den äufseren weniger stark brechenden Theil der Linse

25) Beiträge. S. 14.
36) Diss. de visu. jp. 237.
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