Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 134
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diese aber wegen der Verengerung der Pupille beim Nabesehen nur durch das Centruin
derselben gehen.

Diese Ansicht von Camper, Treviranus und Poüillet ist sehr beachtenswerth und
höchst wichtig zur Erklärung der Thatsache, dafs wir einen und denselben Gegenstand
in verschiedenen Entfernungen deutlich zu sehen vermögen, so wie auch des verschiedenen
Grads dieses Vermögens bei verschiedenen Thieren, je nach dem Verhältnifs der Dichtig-
keit und Krümmung der Linsenschichten und besonders der Lage des Kerns der Linse.
Uebrigens kann diese Erklärungsweise nicht hinreichen, uns über das Sehen in ver-
schiedenen Entfernungen in jeder Hinsicht Aufhellung zu verschaffen, wenn wir dabei
auch den verschiedenen Zustand der Pupille, ihre Erweiterung und Verengerung, berück-
sichtigen; da'die oben (S. 39 u. 40.) angeführten Erscheinungen nur in einem besonderen
Einrichtungsvermögen des vollkommen gebildeten und normal gestalteten Auges ihren
wahren und wesentlichen Grund finden und ohne eine solche Annahme, die aber noch
durch den Bau des Auges gerechtfertigt wird, mir völlig unerklärlich scheinen.

Demnach gibt es also mehrere Verhältnisse im Bau des Auges, durch die wir in
den Stand gesetzt sind, Gegenstände in verschiedener Entfernung deutlich zu erkennen.
Das erste Moment, welches wir bei der Erklärung dieses Phänomens zu berücksichtigen
hätten, wäre, dafs die geraden Augenmuskeln durch ihre Einwirkung auf den Augapfel,
vermöge des eigenthümlichen Baus der Sclerotica und der zwischen dieser und der
Chorioidea befindlichen serösen Membran, solche Veränderungen im Innern des Auges
hervorbringen können, dafs wir dasselbe Object nicht allein in der Ferne, sondern auch
in der Nähe deutlich wahrzunehmen vermögen. Ein zweiter Punkt, welcher hierbei
Beachtung verdient, ist die verschiedene Weite des Sehlochs, welche einen gewissen
Einflufs beim Nah - und Fernsehen hat, nicht aber der einzige Umstand ist, durch den
wir dieses Vermögen erklären können, da nur beträchtliche Erweiterung und Verengerung
der Pupille nachtheilig beim Sehen in der Nähe und in der Ferne wirken. Als ein
drittes Moment endlich, durch welches Deutlichkeit des Gesichts bei verschiedenen
Entfernungen gestattet ist, müssen wir die Zusammensetzung des Kristalls aus Lagen
von gegen das Centrura hin zunehmender Dichtigkeit und Krümmung betrachten.
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