Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 136
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Schleimblatt entstandene Röhre in Mundhöhle, Speiseröhre, Magen und Darm, aus
denen wieder Speicheldrüsen, Athmungsorgane, Leber, Pankreas, Harn- und Geschlechts-
sack durch Hervorstülpung entstehen.

Rückenmark und Gehirn bilden sich also unmittelbar aus dem Fruchtstoff durch
Umwandlung desselben, erst später tritt das Blut, als Stoff zur weiteren Ausbildung, zu
der häutigen mit Flüssigkeit gefüllten Röhre und Blase, und es darf demnach die
Central-Nervenmasse des animalen Lebens nicht als Produkt der Gefäfse angesehen
werden; sondern es ist blos die .Entwicklung und Vervollkommnung derselben abhängig
von der Gefäfsthätigkeit. Die Kopf- und Wirbel-Schlagadern treten von unten zu der
aus mehreren Abtheilungen bestehenden Blase und zu der häutigen Röhre, breiten sich
an der inneren Fläche derselben als ein feines Netz aus, schlagen sich an den Seiten-
wändeu nach oben und hinten und fliefsen da in einander über. Die Ablagerung der
Nervenmasse, die Krystallisation derselben aus jener Flüssigkeit hat zuerst und haupt-
sächlich da statt, wo die Gefäfse die häutige Röhre durchbohren und wo deren
Thätigkeit am bedeutendsten ist, d. h. an der Basis des Gehirns und an der vorderen
Fläche des Rückenmarks. Später geschieht der Niederschlag der Nervenmasse an den
Seitenwänden; es bilden sich die membranartigen Hemisphären und die Seitentheile
des Rückenmarks, die sich alsdann oben und hinten in der Mitte gegeneiuanderneigen und
dadurch einen im Verhältnifs zu seinen Wänden geräumigen Kanal und eine weite Höhle
einschliefsen, welche aber auch nach und nach durch Fortsetzung der Gefäfshaut nach
innen und Ablagerung der Nervensubstanz, gemindert werden. Die die beiden Hirnhälften
vereinigende Masse, der Balken, bildet sich von vorn nach hinten, ganz nach dem Ver-
lauf der arteria corporis callosi, die wohl als Bildungs- und Ernährungsgefäfs dieses
Theils betrachtet werden kann. Die Entwicklung des Rückenmarks und Gehirns scheint
überall in directem Verhältnifs mit der Thätigkeit und Entwicklung des Gefäfssystems
zu stehen. Die erste Bildung aber geschieht, wie gesagt, unabhängig von diesem
System, da Rückenmark und Gehirn sich schon zu bilden beginnen, bevor wir Spuren
von Blutgefäfsen an der häutigen Röhre erkennen.

Dafs übrigens alle Organe auf diese Weise durch Umbildung der thierischen Ur-
masse entstehen, ist mir nicht wahrscheinlich; wenigstens bei den Knochen, Muskeln
und wohl auch bei den Nerven scheint eine andere Art der Bildung statt zu finden.
Wenn gleich die Grundlagen dieser Theile , dort die Knorpel und bei letzteren
das Zellgewebe durch Sonderung der Körnermassen und der Flüssigkeit, so wie durch
mehr oder weniger dichtes Aneinanderreihen der Kügelchen, höchst wahrscheinlich ent-
stehen ; so ist doch das erste Erscheinen der Knochen - und Muskelmasse und vielleicht
auch der Substanz der Nerven gebunden an das Gefäfssystem. Eine nothwendige Bedingung
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