Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 140
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0148
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
140

anfänglich nach vorn sehr weit ist und die Iris mit dein Strahlenkörper trennt. Bios
Glaskörper und Linse sind nicht gespalten. Diese Spalte, sagtHuscHKE, scheint mit der
Spaltung des Rumpfs, Kopfs, der Wirbelsäule u. s. \v. übereinzukommen. Aufser der
unteren Spalte kommt vielleicht noch eine obere vor, so dafs das Auge aus zwei
Hemisphären gebildet zu seyn scheint.

Der Ansicht von Walther und Huschke traten unter Anderen auch Stark 5) und
J. Müiaver 6) bei, und sie wurden in dieser Meinung noch bestärkt durch die Unter-
suchungen von Ammon an den Augen einer Person , die an der Blendungsspalte litt, an
welchen aufser der Iris, auch die Chorioidea und Retina gespalten waren, und die Scle-
rotica eine ohngefähr 5 Linien lange und 2 — 3 Linien breite bläuliche Erhabenheit
zeigte, die das Ansehen eines staphyloma scleroticae hatte.

Mit diesen Meinungen stehen die schönen Beobachtungen, welche v. Baer 7) bei
seinen Untersuchungen über die Entwicklung des Hühnchens im Eie machte, nicht in
Uebereinstimmung. Bei der Geschichte des 4ten Tags bemerkt dieser gründliche
Forscher; „Mehrere der Hirnventrikel verlängern sich in die hohlen Sinnesnerven. Die
hohlen Eingänge in dieselben sind an erhärteten Hirnen von der inneren Fläche der
Hirnblasen aus deutlich und ohne viel Schwierigkeit erkenntlich, und zwar der Eingang
in den Hörnerven aus der vierten Hirnhöhle, der Eingang in den Sehnerven aus dem
dritten Ventrikel vor dem Trichter, der Eingang in den Riechnerven aus dem Seiten-
ventrikel in der untern Fläche desselben. — Die Sinnesnerven scheinen aber nicht aus
beschränkten Stellen, sondern vom ganzen Umfang der Hirnblasen zu entspringen, so
dafs z.B. der Sehnerve nicht von der Stelle käme, die künftig zum Sehhügel wird, son-
dern im eigentlichen Sinne des Worts eine Verlängerung der Hirnblase ist, die die dritte
Hirnhöhle einschliefst. — Hiernach sind überhaupt die Sinnesnerven Hervorstülpungen
des Hirns in die Leibesmasse, und die Sinnesorgane dadurch bewirkte Modificationen
der letzteren. Am deutlichsten bewährt sich dieses im Auge". — Schon am dritten
Tag der Bebrütung zeigt sich nach Baer's Untersuchungen der Augapfel als eine Blase,
welche eine Eiweifskugel einschliefst; die Wand dieser Blase ist die Netzhaut und die
Linse an der Oberfläche der Eiweifskugel deutlich erkennbar. Demnach sind Retina
und Krystalllinse die zuerst gebildeten Theile des Sehorgans. Jene ist anfänglich sehr
dick und fest, bildet eine kugelförmige Höhle, welche mit der dritten Hirnhöhle ver-
bunden ist und zeigt an der unteren Fläche einen hellen Streifen, in welchem die
Netzhaut sehr verdünnt ist, so dafs dieselbe nach unten beinahe gespalten wäre. Die

5) Jonaer Literatur-Zeitung. April 1831. S. 22 — 29. und Ammon's Zeitschrift. B. I. H. 4. S. 498.

6) v. Ammon's Zeitschrift. B. 2. H. 2. S. 232.

7) A. a. O. S. 65, 76, 77, 86, 87, 105, 121, 122, 130.
loading ...