Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 141
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Linse liegt in dem vorderen Ende in einer kreisförmigen OefFnung der Retina, ist
ziemlich ansehnlich. Der Glaskörper stellt ein dickflüssiges Eivveifs dar, welches sich
nach der Behandlung in Weingeist ausschälen läfst. Die Blase der Netzhaut ist am
vierten Tag von einer völlig getrennten Haut umgeben, die auf der inneren Fläche
schon sehr stark dunkel gefärbt ist, mit Ausnahme jener Stelle, wo die Retina einen
verdünnten Streifen hat. Diese so viel beschriebene sogenannte Spalte in der Gefäfs-
haut ist keine Unterbrechung des Zusammenhangs. — Die dunkle Haut des Auges,
welche früher einfach schien, setzt sich am Sien Tage ununterbrochen in die Hornhaut
fort und fängt jetzt an sich zu spalten in ein äufseres ungefärbtes, aber noch dünnes
Blatt, die harte Haut, und ein inneres, dunkel gefärbtes Blatt, welches am Rand der
Linsenkapsel aufhört, die Gefäfshaut. — Der um die Linse gelegene ringförmige Theil
der Netzhaut wird am 6ten und Tten Tag sehr dünn und durchsichtig und gibt sich
als Strahlenblättchen zu erkennen'. An derselben Stelle sieht man jetzt auch die Tren-
nung in Aderhaut und Ciliar - Körper, der einige sehr kleine Falten bekommt. — Die
Nervenhaut bildet am 8ten Tag eine deutliche Falte nach innen, die in den Glaskörper
sich eindrückt. Am lOten Tag erscheint die Iris als ein schmaler ungefärbter Ring an
der Oeffnung der Gefäfshaut.

Burdach s) legt seinen Ansichten über den Bildungshergang des Sehorgans die Be-
obachtungen von Baer am bebrüteten Hühnchen zu Grunde und kommt daher auch in
den meisten und wesentlichsten Punkten mit ihm überein; nur über einige Momente
der Entwicklung stellt er eigene Hypothesen auf. — Glaskörper und Linse, welche als
eine sulzige Kugel erscheinen, hält Burdach für eine peripherische Production, die
gleich anfänglich an der ursprünglich äufseren Fläche der Netzhaut liege, und vielleicht
als ein Theil der sulzigen Grundlage des Gerippes betrachtet werden dürfe, der aber
wegen unmittelbarer Anlagerung des sensiblen Gebildes und unter dessen Einflufs für
immer in diesem Zustande verharre und so das Gerippe des Auges darstelle. — Der
übrige Theil der Visceral - Wand entfalte sich wie an anderen Stellen zuvörderst in eine
fibröse Membran, die feste Augenhaut, welche aber nur nach der Oberfläche hin gleich
einer Beinhaut die Gallertkugel überziehe, gegen das Hirn zu aber die dazwischen
liegende Netzhaut anfangs unmittelbar, späterhin mittelbar bekleide; anfänglich noch
nicht deutlich gegen die äufsere Haut abgegränzt sey, sich aber bald von ihr scheide.
— Als Production des Gefäfsblatts, sagt Burdach, lagert sich die Gefäfshaut des
Auges zwischen die centrale und peripherische Production des serösen Blattes.

Sehr verschieden von diesen Ansichten sind die von Ammon und Gescheidt
auf Beobachtungen sich stützende Vermuthungen über die Entstehung des Auges.
8) Die Physiologie als Erfahrungswissensehaft. B. 2. S. 460 ff.
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