Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 146
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Fundamentalorganen zu erzeugen, um diese mit der Aufsenvvelt in die nothwendige Ver-
bindung zu setzen. Dieses Gesetz finden wir bewahrheitet in so manchen Fällen von
Atresie des Mastdarms, der Scheide und der-Speiseröhre, wo bei allzu geringer Hei Vor-
bildung der Schleimhautröhre, die äufsere Haut dieser entgegen wächst und dadurch
von ihr Theile, wie Mund- und Nasenhöhle, Rachen, Mastdarm u. s. w., gebildet
werden, die in der Regel aus jener bei der Entwicklung hervorkommen.

Gegen Ende des ersten Monats, an Kuh-Embryoneu von 6 und 7 L. Länge sind
die Augen als schwärzliche Punkte unter der dünner gewordenen Haut sogleich und
• leicht wahrzunehmen. Sie haben merklich an Gröfse zugenommen , und lassen unter
dem Mikroskop aufsen und innen Blutgefäfse erkennen. Mit Hülfe der Lupe oder einer
stärkeren Vergröfserung kann man sich überzeugen, dafs die Bildung der Ader- und
Netzhaut begonnen hat. Durch den hinteren Theil der sehr dünnen und durchsichtigen
Blase sieht man Blutgefäfse eintreten, die ohne Zweifel durch ihre Entfaltung und
netzartige Verflechtung an der inneren Fläche derselben mit Hülfe eines zarten Zell-
gewebes die Aderhaut des Auges bilden. Der Eintritt der Gefäfse geschieht haupt-
sächlich oben und aufsen, so wie die Hirngefäfse von unten die Hirnblasen durchbohren;
sie breiten sich zuerst an den Seitenwänden, indem von aufsen her neue Gefäfse hinzu-
treten, weiter aus, gleich wie die Entwicklung der weichen Hirnhaut von der Basis an
seitlich vor sich geht. An dem unteren und inneren Theil des Augapfels läfst die
Gefäfshaut eine Lücke, welche von Kieser, Huschke und Anderen ganz gut als eine
Spalte der Chorioidea aufgeführt wurde, nicht aber mit v. Baer für eine pigmentlose
Stelle angesehen werden darf, weil die Untersuchung mit dem Mikroskop eine wirkliche
Unterbrechung des Zusammenhangs erkennen läfst. Mit dem Eintritt der Blutgefäfse in
den Augapfel beginnt auch ihre Function ; denn man nimmt sogleich zahlreiche schwarze
Körner an der inneren Fläche der Sclerotica wahr, welche durch ihr dichtes Aneinander-
liegen eine sehr sichtbare Ausbreitung darstellen, dem blosen Auge die allmählig sich
vervollständigende Form der Gefäfshaut geben und die Veränderungen zeigen, welche
diese nach und nach erfährt*). Das dunkle Aussehen, welches das Auge durch das
Pigment erhält, und die grofse Durchsichtigkeit der Sclerotica und Hornhaut , haben
sowohl" diejenigen, welche die Chorioidea früher als die äufsere Haut entstehen liefsen,
als auch jene, welche in der Sclerotica gleichfalls eine Spalte annahmen, irre geführt
und getäuscht; denn untersucht man mit blosem Auge oder einer schwachen Lupe, so
scheint es sich allerdings auf diese Weise zu verhalten und nur stärkere Vergröfserungen
können den Beobachter vom Gegentheil und also davon überzeugen, dafs die feinkörnige
äufsere Hülle keine Störung des Zusammenhangs erleidet. — Gleichzeitig mit der Aderhaut
*) Siehe hierüber die Abbildungen von Kieseb. und Hubciike.
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