Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 149
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unmittelbare Fortsetzung der Chorioidea, indem diese da, wo sie die Linsenkapsel um-
gibt einige sebr kleine Falten bekömmt. Dem entsprechend verdünnt sich die Netzhaut
an dem Umfang der Linse etwas und stellt ein zarteres Nervenblatt als der übrige noch
sehr dicke Theil der Retina dar. Der Glaskörper nimmt auffallend an Umfang zu,
scheint in eine innigere Verbindung mit dem vorderen Ende der Ader- und Netzhaut
zu treten und ist sehr reich an Gefäfsen. Die Linse zeigt sich im äufseren Umfang
hell und nur der Kern derselben ist trüb, wie bei der Cataracta "congenita centralis. —
v. Walther 14) hat also vollkommen Recht, wenn er sagt : „Es leidet kaum einen
Zweifel, dafs auch die Cataracta ein ursprünglich natürlicher Zustand sey, dafs sich
die Linse nur bei fortschreitender Entwicklung aufhelle und dafs diefs bei gehemmter
Entwicklung nicht statt finde; denn bei dem in den Häuten des Eies eingeschlossenen
Fötus sind kaum solche Processe denkbar, wodurch eine ursprünglich helle und durch-
sichtige Linse getrübt und verdunkelt werden könnte".

In der sechsten Woche, an Kuh-Embryonen von 11 u. 12 L.Länge, ist der Strahlen-
körper ganz deutlich gebildet. Er besitzt zablreiche Falten, die auf dem vorderen
Theil des Glaskörpers fest aufliegen, so dafs er an ihm leicht bei der Trennung der
Aderhaut vom corpus vitreum hängen bleibt. Durch ihn erstreckt sich auch die Spalte
der Chorioidea, welche übrigens im hinteren Theil des Augapfels gegen den Eintritt
des Sehnerven zu am weitesten ist, und vorn beträchtlich enger wird. Sie schliefst
sich im Strahlenkörper höchst wahrscheinlich mit Ende der sechsten oder im Anfang
der siebenten Woche, zu derselben Zeit, wo die Bildung der Iris beginnt.— Der vordere
Theil des Glaskörpers, welcher die Linsenkapsel umgibt, zeigt jetzt eine kleine Ver-
schiedenheit von dem übrigen: man erkennt unter dem Mikroskop zahlreiche Falten und
zwischen diesen Furchen, die aber noch wenig ausgebildet sind und im Verhältnifs
stehen mit den kleinen und kurzen Fortsätzen des Strahlenkörpers. Das Strahlenblättchen
bildet sich also gleichzeitig mit dem Strahlenkörper und entsteht aus der Hyaloidea,
wie dieser aus der Aderhaut. Davon kann sich Jeder überzeugen, der von der sechsten
Woche an die gleichmäfsige und entsprechende Ausbildung dieser beiden Theile ver-
folgt; denn je stärker die Fortsätze des Ciliar-Körpers werden und je mehr dieser an
Umfang zunimmt, um so mehr entwickelt sich das Strahlenblättchen aus der Glashaut. -
Dafs die lamina ciliaris wirklich auf diese Weise und nicht durch Umwandlung des
vorderen ringförmigen Theils der Retina in ein sehr dünnes und durchsichtiges Blatt,
wie v. Baeji glaubt, entsteht, geht sowohl aus diesen Beobachtungen, als auch aus dem
Umstand hervor, dafs man auf dem Strahlenblättchen den sehr verdünnten Ciliar-Theil
der Retina unter der Lupe wahrnimmt; denn in demselben Grade als die besonderen
14) Abhandlungen. S. 29 u. 31.
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