Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 150
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Gestaltungsverhältuisse des Strahlenkörpers und Strahlenblältchens mehr hervortreten,
und diese eine innigere Verbindung mit einander eingehen, wird der Ciliar-Theil der
Nervenhaut dünner und durchsichtiger, und diese Haut scheint dem unbewaffneten Auge
da plötzlich aufzuhören, wo der Strahlenkörper beginnt. — Die Linse zeichnet sich
durch ihre starke Wölbung und kugelige Gestalt aus; ihr Kern ist noch trüb und ihre
Kapsel sehr reich an Gefäfsen.

In der siebenten Woche sind in der Regel bei menschlichen Embryonen die
Spalten der Ader- und Netzhaut verschwunden; nur an dem vorderen Ende der Chorioidea
nach unten und innen sah ich gewöhnlich noch eine Andeutung derselben, die zuweilen
selbst bis zu Ende der siebenten Woche vorgefunden wird. Die Netzhaut bildet jetzt im
Grunde des Auges neben dem Eintritt des Sehnerven eine deutliche Falte, die sich in
den Glaskörper eindrückt und an Gröfse während des Fötal-Lebens bedeutend zunimmt.
— Die Iris erscheint als ein schmaler Ring auf dem vorderen Ende der Aderhaut,
welches durch dieselbe bedeckt wird, aber noch vollkommen wegen der Durchsichtig-
keit der Regenbogenhaut erkannt werden kann. Nach meinen Untersuchungen möchte
ich glauben, dafs die Blendung beim Menschen im Verhältnifs früher entsteht als bei
den Säugethieren, bei diesen früher als bei den Vögeln. Nach den Beobachtungen von
Kieser, Baer und Ammon- erscheint die Iris bei letzteren erst am zehnten Tag der Be-
brütung als eine zarte ungefärbte Membran , die mit blosen Augen kaum zu bemerken
ist. An Kuh-Embryonen von 1 Z. 4L. Länge sah ich die ersten Ansätze der Regen-
bogenhaut, und an menschlichen Embryonen von 8 L. Länge, aus der siebenten Woche,
an denen man noch eine Andeutung «1er Spalte der Chorioidea mit unbewaffnetem Auge
wahrnahm, erkannte ich mit Hülfe der Lupe vor dieser eine blasse zarte Membran,
die nirgend eiue Unterbrechung zeigte, sondern einen überall geschlossenen Ring
darstellte.

Gestützt auf diese Untersuchungen an einigen Embryonen vom Menschen und sehr
vielen von der Kuh, so wie auf die vpn Kieser, Baer und Ammon am bebrüteten
Hühnchen gemachten Beobachtungen, denen gemäfs die Iris als ein schmaler Ring an
der Oeffnung der Gefäfshaut ohne Spalte erscheint, glaube ich mit Zuverläfsigkeit be-
haupten zu können, dafs Malpighi , Haller, Avjtenrieth , Sömmeiuung , Meckel,
Huschke, Müller, Stark U.A., welche an 6- u. 7 wöchentlichen menschlichen Embryonen
eine Unterbrechung des Kreises der Blendung beobachteten, die Spalte der Aderhaut
für die der Iris angesehen haben, ein Irrthum, in den Jeder leicht verfällt, der nicht
mit bewaffnetem Auge die Untersuchung vornimmt, dafs demnach die Behauptung von
Müiaer, die Spalte der Iris an der unteren Seite bei allen Thierenund an der unteren
inneren Seite jauch beim menschlichen Embryo sey eine unleugbare Thatsache eben so
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