Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 152
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sich von oben und aufsen nach unten und innen allmählig ausbreitet und an dieser
Stelle schliefst.

Aus dem hier Mitgetheilten geht hervor, dafs der Bildungsfehler der Regenbogen-
haut, welchen v. Walther als coloboma iridis aufführte, nicht in der Art und Weise
der Entstehung der Iris begründet seyn kann, sondern dafs dieser abnorme Zustand
aller Wahrscheinlichkeit gemäfs seinen nächsten Grund in einer abweichenden und mangel-
haften Vereinigung der Blendungsgefäfse zu vollständigen Bögen hat, dafs somit die
Spaltung der Iris in keiner Hemmung, sondern in einem Mangel der Bildung beruhte
— Seit v. Walther seine Ansicht über die Natur der Blendungsspalte aussprach,
sind sehr Viele, Wagner, Erdmann, Schön, Heyfelrer, J. Müller u. A., ihm
beigetreten, nur Wenige haben dieselbe in Zweifel gezogen oder bestritten und unter
diesen besonders Ammon und Gescheidt, gestützt auf Untersuchungen über die Entstehung
der Regenbogenhaut, die Meinung ausgesprochen, dafs das Colobom der Iris seinen
nächsten Grund nicht in einer Unterbrechung des Kreises dieser Membran, sondern in
der Spaltung der Chorioidea habe, welche länger offen bleibe als gewöhnlich und sich
erst nach der Bildung der Iris schliefse, wodurch dieselbe Theil nehme an dem Colo-
bom, das demnach zu den Bildungshemmungen gerechnet werden müsse. Für diese
Ansicht sprechen die von Ammon mitgetheilten Untersuchungen der Augen einer Person,
welche an der Blendungsspalte litt, so wie einige eigene Beobachtungen an Kuh-Em-
bryonen , an denen die /Iris an derselben Stelle, unten und innen, etwas eingezogen war,
wo man auch an der Aderhaut noch eine Spur der früheren Spaltung erkannte. Auf
der anderen Seite habe ich aber auch sehr viele Embryonen-Augen untersucht, an denen
die Spalte der Chorioidea vorn noch nicht vollkommen geschlossen, und die Iris voll-
ständig gebildet war. — Die Regenbogenhaut entsteht in gewissem Grade unabhängig
von der Aderhaut, aus der membranaitigen Entfaltung der ihr eigenen Gefäfse, die in
ihrem Charakter so verschieden sind von denen der Chorioidea. Die Bildungsfehler,
welche wir an der Iris wahrnehmen, dürfen daher auch nicht in eine so innige und nahe
Beziehung zur Aderhaut gesetzt werden, wenn gleich abnorme Zustände dieser auf die
Bildlingsweise jener Membran einen gewissen Einflufs ausüben können; sondern wir müssen,
meiner Ueberzeugung gemäfs, den nächsten Grund derselben in einer abweichenden oder
mangelhaften Anordnung des Gefäfssystems der Iris suchen. Fehlen die vorderen und
langen Ciliar-Gefäfse alle oder einzeln, so wird dadurch gänzlicher oder theilweiser Mangel
der Blendung erzeugt. Letzteren sah Demours , ersterer wurde schon von sehr Vielen
beobachtet. — Wenn der äufsere oder innere Gefäfskreis der Iris oder beide zugleich sich
nicht vollkommen schliefsen, so werden dadurch verschiedene Arten und Grade des Colo-
boms der Regenbogenhaut hervorgebracht. Sehr häufig bleiben beide Kreise offen und
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