Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 153
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es ist eine vollkommne Unterbrechung der Substanz der Iris vorhanden; nicht selten ist
der äufsere Ring geschlossen und blos der innere offen (diese Fälle lassen sich nach
v. Ammon's Ansicht nicht erklären); in einigen wenigen Fällen hatte sich ein innerer
Ring gebildet, obgleich der äufsere fehlte. — Interessant sind die Beobachtungen von
einer doppelten oder dreifachen Pupille, wo sich statt eines einzigen inneren Rings mehrere
Kreise bildeten, und wodurch in gewisser Hinsicht ein der Blendungsspalte entgegen-
gesetzter Zustand erzeugt wurde, indem höchst wahrscheinlich die Gefäfse der Regen-
bogenhaut durch Bildung einiger oder mehrerer inneren Kreise die Entstehung der
Pupillen bedingten. Merkwürdig und hierher gehörig ist auch der von Himly mitge-
theilte Fall, in dem die Pupille sieben kleine Bögen bildete. — Dafs das coloboma
.iridis mit einer mangelhalten Entwicklung des Gefäfssystems im Auge in naher Beziehung
steht, beweisen auch andere mit diesem Uebel häufig gemeinschaftlich auftretende
Bildungsfehler, wie z. B. Kleinheit des Augapfels, geringere Couvexität desselben,
Mangel des schwarzen Pigments und Verdunkelung der Linse.

In der achten Woche fängt die Regenbogenhaut an sich zu färben und erscheint
nun dem ersten Anblick als ein schmaler, schwärzlicher Ring. Die Aderhaut besitzt
keine Spur mehr von der Spalte und ist ziemlich vollkommen gebildet. Die Retina
wird allmählig dünner, tritt mit ihrer Falte stark in den Glaskörper hinein. Im Inneren
der Linse ist die neblichte Trübung verschwunden; sie zeigt sich jetzt als ein krystall-
heller Körper, in dem man eben so wenig wie früher ein Blutgefäfs erkennen kann. In
Embryonen aus dem Ende des zweiten und dem Anfang des dritten Monats, deren
Augen ganz frisch untersucht wurden, fand ich die Linse stets vollkommen gebildet,
sehr' durchsichtig, nur weicher als späterhin. Ich erkannte unter dem Mikroskop leicht
und deutlich den Charakter der Lymphgefäfse, welche gröfser waren als sie in späteren
Perioden sind; sah aber zu dieser Zeit, selbst mit bewaffnetem Auge, nie etwas von
einer Trübung oder einer röthlichen Färbung weder im Innern, noch im äufseren
Umfang, so dafs ich darüber im Anfang nicht wenig erstaunt war, weil man so ge-
wöhnlich behauptet, die Linse sey in dieser Periode trüb, undurchsichtig und sehe
röthlich aus. Nur wenn man seine Untersuchungen au Embryonen anstellt, die schon
einige Tage alt sind oder auch etwas in Weingeist lagen, kann man sich diese so all-
gemeine Annahme, so wie die Behauptungen von Weuneck und W. Sömmeiuung, dafs
die Linsenkapsel bis zum 6ten oder Tten Monat eine zähe, gallertartige, röthlich-trübe
homogene Flüssigkeit enthalte, weiche erst im Sten Monat erhärte und sich aufhelle
erklären.

Der Krystallkörper weicht in der Hauptsache nur durch seine Form und Consistenz
jn den früheren Perioden des Lebens^ mit Ausnahme der allerersten Zeit, wo er flüssig
F. Arnold , Amt. u. physiol. Untersuchungen. 20
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