Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 154
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und trüb ist, ab; dann zeigt ersieh fast kugelrund, wie bei den Fischen, und so weich,
dafs er sehr leicht zwischen den Fingern zerdrückt werden kann. Geringe Consistenz
kommt übrigens allen Theilen des Körpers in dem embryonischen Zustand zu, nur dafs
hier dieselbe, aber immer in Verhältnifs zur Festigkeit der Linse, welche sie späterhin
hat, auffallender ist als an anderen Organen. Dafs sie übrigens schon mit Ende des
2ten Monats nicht blos aus Flüssigkeit, sondern auch aus häutigen Kapseln besteht,
sieht man sowohl bei der Untersuchung des Krystalls unter dem Mikroskop, als auch
beim Erhärtenlassen durch Weingeist.

Berücksichtigen wir die verschiedenen, über die Entwicklung der Linse mifgetheilten
Punkte, so sehen wir uns zur Ansicht bestimmt, dafs der Krystallkörper sich aus einer
Flüssigkeit bildet, welche schon bei dem ersten Erscheinen des Augapfels vorhanden
ist, dafs die Kapsel durch Sonderung der festeren Theile aus dieser entsteht, und dafs
durch allmähliges Consistenterwerden das ursprünglich vorhandene Fluiduin unter dem
Ein Hufs der Blutgefäfse zu den zarten Häutchen gerinnt oder krystallisirt, welche die
in einandergeschlossenen Kapseln bilden, aus denen die Linse besteht. Die Aufhellung
der Substanz derselben geht von der Peripherie aus; denn diese ist schon klar und
durchsichtig, während das Centrum noch trüb erscheint; sehr bald hellt sich aber auch
dieses auf und der Krystallkörper ist in der 8ten Woche völlig durchsichtig und rein.
Die Veränderungen der Linse gehen, wie überhaupt die ersten Processe im gesammten
Organismus und in den einzelnen Organen sehr schnell auf einander folgen, in ganz
kurzer Zeit vor sich; denn, da in der 4ten Woche des Embryo - Lebens das Auge zu-
erst erscheint und in der achten der Krystall schon seine Durchsichtigkeit und Klarheit
hat, so müssen die verschiedenen Zustände, welche wir während dieser Zeit vorfinden,
rasch auf einander folgen. ,

Mit Ende des zweiten Monats sind, wie aus diesen Mittheilungen erhellt, die wich-
tigsten Theile des Augapfels gebildet: die vollkommen helle, noch etwas weiche,
kugelige Linse mit ihrer gefäfsreichen Kapsel, der von vielen Adern durchzogene und
umgebene Glaskörper mit dem Strahlenbläüchen; die Markhaut und ihr durchsichtiger
Ciliar-Theil; die Gefäfshaut mit dem Strahlenkörper und vor ihm die Iris; die äufsereq
Häute des Auges, Sclerotica und Cornea. — Die Retina läfst in ihrer sehr entwickeltea
Falte ein ziemlich grofses Loch erkennen, welches in den früheren Perioden desLebens
überhaupt sich stets vorfindet und, wie wir oben sahen, als der Rest der Spaltung in
der Netzhaut betrachtet werden mufs. — Die Aderhaut ist, mit Ausnahme einer Stelle
im Grunde des Auges, nicht so reichlich mit Pigment bedeckt, als der Strahlenkörper
und die Blendung; sie erhält dadurch an den meisten Punkten ein mehr röthliches
Aussehen. Die Regenbogenhaut zeigt sich unter allen Häuten des Augapfels noch am
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