Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 155
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wenigsten ausgebildet, indem sie einen sehr schmalen Ring darstellt, welcher vor dem
Strahlenkörper liegt und den vorderen Umfang des stark vorspringenden Krystallkörpers
umgibt. — Die weifse und durchsichtige Haut des Auges, welche im Anfang vollkom-
men eins sind und sich von einander nicht unterscheiden lassen, zeigen jetzt eine kleine
Verschiedenheit, indem letztere etwas trüb aussieht, dicker und schwammiger ist, als
die Sclerotica. — Der ganze Augapfel des Fötus zeichnet sich, und diefs am meisten
in den ersten Zeiten, durch eine beträchtliche Wölbung an der äufseren und hinteren
Seite aus, welche sich mit Ende der Schwangerschaft sehr mindert, so dafs man sie
an dem Augapfel des Neugebornen kaum erkennen kann. Durch diese Wölbung wird
bewirkt, dafs sich der Sehnerve noch mehr nach innen von der Achse des Auges in-
serirt, als diefs beim Erwachsenen der Fall ist. Wahrscheinlich ist sie durch den Ein-
tritt zahlreicher Ciliar-Gefäfse gerade an dieser Stelle erzeugt; daher auch hier die
Chorioidea und Sclerotica am innigsten zusammenhängen, und sich an diesem Punkt die
Aderhaut durch eine sternförmige Ausbreitung von Gefäfsen, welchen ein reichliches
Pigment entspricht auszeichnet.

In dem Anfang des dritten Monats liegen die Augäpfel noch frei; die äufsere
Haut geht ganz glatt und dünner geworden als Bindehaut über dieselben hinweg und
bildet erst in der lOten Woche schmale Wülste, welche sich allmählig vergröfsern und
zwei Hautfalten darstellen, die einander entgegenwachsen, um in der 12ten Woche in
Berührung zu treten und mit ihren Rändern zu verkleben, so dafs dadurch die Höhle
der Bindehaut nach aufsen bis gegen Ende der Geburt geschlossen bleibt. Die Verbin-
dung des oberen und unteren Augenlieds geschieht beim Menschen in der Regel nicht
durch eine Fortsetzung der Haut, wie bei vielen Säugethieren, sondern wahrscheinlich
durch das Secretum der MEiBoni'schen Drüsen. Nur in abnormen Fällen hat man bei
Kindern die Augenlieder durch ununterbrochenen Uebergang der Haut entweder voll-
kommen öder theilweise vereint gefunden , anchyloblepharon congenitum totale et par-
tiale, ein Zustand , der nicht in dieselbe Klasse von Bildungsfehlern , nämlich zu den
Hemmungen, wie jener gerechnet werden darf, wo blos ein Hautwulst die Stelle der
Augenlieder vertritt. —■ Die Gefäfse der äufseren Haut gehen, so lange noch keine
Augendeckel gebildet sind, in der Bindehaut über den Augapfel fort; und auch später-
hin sieht man an Fötus-Augen nicht selten Gefäfse auf demselben, die bestimmt der
Conjunctiva und nicht der Hornhaut angehören. Gegen Ende der Schwangerschaft aber
ziehen sich alle Blutgefäfse aus dem Bindehautblättchen der Cornea zurück, so dafs
weder die feinsten Injectionen noch das Mikroskop solche in ihm zu erkennen vermögen
und dieser Theil der Conjunctiva dieselbe Klarheit und vollkommne Durchsichtigkeit
erlaugt, wie die Hornhaut selbst.
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