Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 156
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Gleichzeitig mit der Bildung der Augenlieder und eher Bindehaut oder selbst noch
früher erfolgt im Innern des Augapfels zwischen der hinteren Fläche der Hornhaut und
der vorderen Wand der Linsenkapsel die Entfaltung einer Membran, welche das im
Anfang geräumige Sehloch schliefst. — Die Blendungsgefäfse zeigen im Fötus das be-
sondere Verhalten, dafs sie keinen vollständigen inneren Kreis an dem Pupillar-Rand
der Iris bilden, sondern dafs mehrere von ihnen zwischen der «-stark vorspringenden
Linsenkapsel und der hinteren Horuhautfläche hart an dieser gegen die Achse des Auges
verlaufen, sich in einem zarten und feinen Zellgewebe mit einander verbinden und da-
durch eine Membran erzeugen, welche als ein sogleich unter der Cornea liegendes
Gefäfsnetz zur Ernährung derselben ohne Zweifel in einer nahen Beziehung steht, in-
dem die an Saugadern reiche durchsichtige Haut Stoffe aus diesem aufnimmt. — So
lange die grofse kugelige Linse unmittelbar hinter der flachen Hornhaut liegt, gibt es
keine Augenkammern, sondern der enge Raum zwischen Linse und Cornea ist blos durch
das Zellgewebe ausgefüllt, in dem sich Gefäfse der Iris ausbreiten und mit einander
verbinden. Die Pupillar-Haut ist daher im Anfang weich und sulzig, wird erst in der
Mitte der Schwangerschaft fester und erscheint im Tten Monat, wo sie am vollkommen-
sten ausgebildet ist, als eine dünne durchsichtige, sehr zarte Membran, die man in
zwei Blättchen trennen kann, von denen das vordere ohne Gefäfse in die glatte äufsere
Fläche der Blendung übergeht, das hintere aber als ein feines zellgewebiges, gefäfs-
reiches Häutchen jenes überzieht. — Die Augenkammern, und vorerst die vordere,
entstehen, sobald die Linse an Convexität abnimmt und die Hornhaut sich etwas wölbt.
Gleichzeitig hiermit geschieht auch die Bildung einer serösen Haut, welche die hintere
Fläche der Cornea so wie die vordere der Iris und der Pupillarmembran überzieht.
Dieser seröse Sack in der vorderen Augenkammer entsteht nach dem Gesetze, dafs
überall im Organismus, wo ein Organ nicht stets in seiner Lage verharrt, sondern
Veränderungen in derselben erfährt, oder wo die Thätigkeit eines Gebildes sich in be-
sonderen Bewegungen kund gibt, dieses aus dem allgemeinsten der Gewebe eine seröse
Bekleidung erhält.

Die Pupillarmembran ist demnach nichts anders als der Theil der Haut der wäs-
serigen Feuchtigkeit, welcher über das Sehloch hinweggeht und an seiner hinteren
Fläche von einem Zellgewebe bekleidet wird, das ursprünglich zwischen Hornhaut und
Linsenkapsel liegt und in dem sich bis gegen die Geburt hin die Fortsetzungen mehrerer
Blendungsgefäfse verbreiten. Hiermit sind die Fragen beantwortet, ob die membrana
pupillaris eine selbstständige Haut sey, oder von dem inneren Rand der Iris entspringe,
oder der Wasserhaut zugehöre; ob sie aus mehreren Biättchen bestehe oder einfach
erscheine. — Seit wir durch Wachendorf und Halleu Kenntnifs von dieser Membran
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